PRESSESTIMMEN
Gute Noten für die Orchester des Musikvereins beim
Frühjahrskonzert
Es grünt so grün. Nicht nur die Blüten auf der
sonnenreichen iberischen Halbinsel blühen zur Frühlingszeit.
In der Stadthalle sprossen kaum weniger üppig und
farbenprächtig die Melodien beim Frühjahrskonzert des
Musikvereins.
Von Ulrich Boller
Kronberg.
Die Ausschnitte aus Frederick Loewes
Erfolgsmusical «My fair Lady» kamen zwar erst im zweiten
Teil, dafür bewies das mit mehr als 40 Musikerinnen und
Musikern aufspielende Traditionsensemble gleich zu Beginn
sein hohes Können und seine Vielseitigkeit. Denn Giuseppe
Verdis Musik zur Geschichte von der schwindsüchtigen
Halbweltdame Violetta Valéry stellt keine geringen
Ansprüche.
Der «klassische» Auftakt unter Leitung von
Dirigent Jörg Senger gelang zum Wohlgefallen, die
anschließende dreiteilige «Borromeo-Suite» führte in
schillernden Klangfarben den Zauber der drei malerischen
Inseln vor dem Südufer des Lago Maggiore vor. Ein gutes
Zeugnis verdient die Nachwuchsarbeit des Musikvereins. Mit
ebenfalls mehr als 40 Mitwirkenden im Alter zwischen 10 und
19 Jahren füllte das Jugendorchester den Bühnenraum. Für die
gute Qualität zeichnet Orchesterleiter Senger gleichermaßen
verantwortlich.
Stelldichein im Egerland
Ob Ausschnitte aus dem
Musical «Tarzan», die quirlig-zauberhafte «Mary Poppins»,
die «mit ’nem Teelöffel Zucker» jede Medizin nimmt, oder die
süffigen Abba-Melodien aus «Mamma Mia», das Spiel der jungen
Instrumentalisten gefiel. Heiterkeit erntete Moderatorin
Angelika Hartmann, als sie die «zweitjüngste Trompeterin» im
jugendlichen Kreis vorstellte. Renate Temmen heißt sie,
Ehefrau von Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos), der mit
sichtlichem Vergnügen den Vorträgen folgte.
Zum «Stelldichein in Egerland und
Oberkrain» lud der zweite Konzertteil ein. Schmissige Musik
wie das «Trompetenecho» sowie Stücke von Ernst Mosch und
Slavko Avsenik sorgten für fröhliche Stimmung. Etwas
ernster wurde es dann bei Teilen aus Georges Bizets
tragischer Oper «Carmen». Zum Orchester des Musikvereins
gesellten sich die Sängerinnen und Sänger der 1. Kronberger
Laienspielschar unter Leitung von Wolfgang Schmitt-Gauer,
der selbst mitsang und als Gitarrist brillierte. Mit
hörbarer Sanges- und Musizierfreude nahmen sich die Akteure
auf der Bühne des ernsten wie des heiteren Spiels an.
Mitreißend gelangen die Lieder der
Eliza Doolittle und des Professors Henry Higgins, die
Melodien aus «My fair Lady» kamen frisch und munter aus den
Kehlen und Schalltrichtern. Charme und Wohlklang besaßen
aber auch die schwungvoll vorgetragenen Volkslieder von «Im
Krug zum grünen Kranze» über das «Ännchen von Tharau» bis
zum fröhlichen «Rennsteiglied».
Der musikalische Schwung hielt an bis
zur letzten Note des zündenden «Jubiläumsmarschs», den Jörg
Senger vor fünf Jahren zum Hundertjährigen des Musikvereins
komponiert hatte.
Als neuer Vorsitzender stellte sich
Christian Kraft vor. Er dankte besonders seinem Vorgänger
Hans Hartmann, der über ein Vierteljahrhundert engagiert den
Verein leitete und auch als Ehrenvorsitzender noch am
Schlagzeug aktiv ist. Kraft wurde jüngst zu seinem
Nachfolger gewählt.

Mit Frauenpower ins Festjahr
1. Kronberger Laienspielschar wählt neuen Vorstand
und rüstet sich für die 50-Jahrfeier
Die Kronberger Laienspielschar bleibt fest in
weiblicher Hand. Bei der Jahreshauptversammlung wurden
ausschließlich Frauen in den Vorstand gewählt – und der
blickt auf die Feiern zum 50-jährigen Vereinsbestehen.
Von Tina Tonsen
Kronberg.

Die 1. Kronberger
Laienspielschar hat eine Vorstandsmannschaft – obwohl
man hier eher von einer Frauschaft reden könnte. Bei der
Jahreshauptversammlung wurden ausschließlich Frauen in
den neuen Vorstand gewählt. Und der besteht – bis auf
eine Änderung – aus dem Team, das in der vergangenen
Wahlzeit die Geschicke des Vereins leitete.
So führt die bisherige Vorsitzende
Petra Nauheim auch weiterhin die Laienspielschar, die im
vergangenen Jahr als Verein anerkannt wurde und damit
die Gemeinnützigkeit erlangte. Ihre Stellvertreterin
bleibt Birgit Ritschel. Elvira Sittinger wurde als
Schriftführerin bestätigt. Die Kasse bleibt in den
bewährten Händen von Heike Limberger-Fuchs. Neu ins
Vorstandsteam wurde als Beisitzerin Annette Reinhardt
gewählt, die für die Organisation der beliebten
Laternenwegführungen verantwortlich zeichnet.
Eine launige Jahresrückschau in der
von Vereinsringschef Hans-Willi Schmidt geleiteten
Versammlung hielt Petra Nauheim. Mit Fotos von
verschiedenen Veranstaltungen unterlegt, blickte sie auf
das vergangene Jahr zurück. Neben einem großen Lob an
die Mitstreiter – «Alles kann bei uns nur so gut
funktionieren, weil ihr immer da seid!» – unterstrich
Nauheim vor allem die «hervorragende» Zusammenarbeit mit
anderen Kronberger Vereinen. «Das Motto ,Vereine für
Vereine‘ wird in Kronberg wirklich gelebt. Dass alle
Vereine sich so selbstverständlich untereinander helfen,
finde ich total schön», freute sich die Vereinschefin.
Jeder Verein bringe sich bei den
verschiedenen Veranstaltungen ins große Ganze ein – und
bleibe dennoch ganz selbstständig. Das sei nicht
selbstverständlich, meinte Nauheim und belegte diesen
fruchtbaren Zusammenhalt mit der Nennung zahlreicher
Events, bei denen man sich gegenseitig unterstützt
hatte. Die gesangliche Beteiligung beim Festkommers und
der großen Feier des MGV anlässlich seines 150-jährigen
Bestehens oder der Kommers des EFC zu seiner
100-Jahr-Feier waren solche Beispiele.
Die Laienspielschar war aber auch beim
Straßentheaterfestival «Da Capo» dabei und bereicherte
die Jubiläumsfeier zum zehnjährigen Bestehen des
Weinbergs im Rathausgarten. Für das Projekt, ein
gemeinsamer Auftritt von der Laienspielschar,
Männergesangverein und Musikverein beim Jubiläumskonzert
des MGV am 20. Juni, sei viele Wochen geprobt worden.
Mit dem MGV wurde «Hebt eure Herzen» von Mozart gesungen
und bei «Conquest Of Paradise» von Vangelis wurde der
Laienspielschar-Chor vom Orchester des Musikvereins
begleitet. «Uns hat der gemeinsame Auftritt viel Freude
gemacht und auch die Konzertbesucher spendeten viel
Applaus», blickte Nauheim zufrieden zurück. Mit
besonders stolzgeschwellter Brust nahm man am
Thäler-Kerbeumzug teil, schließlich stammten, wie so
oft, Miss Bembel und der Thäler Borjemaaster aus den
Reihen der Laienspielschar.
Mundart kommt an
Mit einem
Mundart-Laternenweg habe der Verein im vergangenen Jahr
etwas Neues gewagt. Die beiden Nachtwächter zogen mit
den Besuchern von der Receptur zur Linde in der
Tanzhausstraße und warteten auf die «Ehefrau», die die
Nachtwächter-Utensilien beibringen sollte. Dann ging es
los durch die Kronberger Altstadt. In Mundart-Gebabbel
erklärten die Nachtwächter einzelne
Laternen-Scherenschnitte. An verschiedenen Stationen
wurden Gedichte vorgetragen, der Chor sang und einige
kleine gespielte Szenen ließen die alten Zeiten wieder
lebendig werden. Abschluss war am Thäler Kerbebrunnen,
wo der Chor die Kronberger «Kerbeliedcher» intonierte
und die Besucher sich bei einem Äppelwoi das eine oder
andere hessische Wort erklären ließen, das sie nicht
verstanden hatten. «Unser Versuch, eine
Laternenwegführung in Mundart zu gestalten, ist auf
jeden Fall sehr gut angekommen und bekam viel Applaus»,
resümierte Petra Nauheim.
Die Führungen auf dem Laternenweg
spülen Geld in die Kasse, wie Kassiererin Heike
Limberger-Fuchs in ihrem Jahresbericht deutlich machte.
Allein mit diesen insgesamt zehn Führungen flossen über
3000 Euro in die Vereinskasse, die insgesamt im Plus sei
– auch wegen einiger Spenden.
Feier im August
Eine Zuwendung von der
Dingeldein-Stiftung über 500 Euro sei bereits im
laufenden Geschäftsjahr eingegangen – und das aus einem
ganz besonderen Grund. Denn in diesem Jahr wird die 1.
Kronberger Laienspielschar ihr 50-jähriges Bestehen
feiern. Am Sonntag, 28. August, ist in der Zehntscheune
ein Jubiläums-Mundart-Frühschoppen geplant – mit
Beteiligung zahlreicher befreundeter Vereine.

Taunuszeitung,
23.12.2010
Amüsant und gut gespielt
Kurzweilig und besinnlich gestaltete
die 1. Kronberger Laienspielschar ihren zweiten
vorweihnachtlichen Mundartabend. Als idealer Ort
dafür erwiesen sich die Gewölbe und Kellerräume des
Hellhofs.
Von Ulrich Boller
Etwas
ganz Besonderes soll es sein an diesem
Weihnachtsabend.

Eigens vom studentischen
Weihnachtsmannverleih hat der Familienvater einen
professionellen Darsteller engagiert, der die
unfolgsamen Kinder Mores lehren soll. Mutti bereitet
eifrig Schnittchen für die eingeladenen Gäste. Nur,
wo bleibt der rotgewandete Geschenkebringer?
Spätestens jetzt ahnt der geneigte Betrachter der
familiären Szenerie, dass so einiges aus dem Ruder
laufen wird. Endlich angekommen, hat der redselige
Weihnachtsmann mehr Schnittchen und Whiskeyflasche
im Blick als die Moral der Kinder. Aber die
untergräbt er auch ganz schnell und die Autorität
der Eltern gleich mit. Die haben schließlich die
Hütte voll mit allerlei weihnachtlichem Personal,
Nikolaus, Christkind und Knecht Ruprecht inklusive.
Käthe wird gefeiert
Amüsant
und gut gespielt fügte sich die kleine Handlung in
den zweiten vorweihnachtlichen Mundartabend der 1.
Kronberger Laienspielschar. Als Ort hatte der
Kronberger Traditionsverein den Hellhof gewählt,
dessen neuer Eigentümer Dieter B. Schmidt gerne
Gastrecht gewährte. Und für Kinder alkoholfrei, aber
nicht minder köstlich. Damit ließ sich zugleich
herzlich auf ein «Geburtstagskind» aus den Reihen
der Laienspielschar anstoßen. Käthe Herrmann,
engagiertes und dabei sichtlich jung gebliebenes
Mitglied des Vereins, feierte just an diesem Sonntag
ihren 80. Geburtstag. Die Überraschung für die
gerührt-erfreute Jubilarin glückte, offenbar hatten
alle Gratulanten bis zum letzten Moment
stillgehalten.
Feldmanns
Verse
In abwechslungsreicher Folge
präsentierten die Akteure auf der Bühne im voll
besetzten Gewölbekeller Mundartgedichte und Lieder
weihnachtlichen Inhalts. Darunter
«Weihnachtsgeschenke» aus der Feder von Kronbergs
verstorbener Ehrenbürgerin Hanna Feldmann, die mit
treffsicherer Ironie die jahreszeitliche
Präsenteschlacht in mundartliche Verse fasste. Am
Ende jedenfalls kriegt der Opa seine Cognac-Flasche
wieder, die er jemand ganz anderem geschenkt hatte.
Aber auch der «Christbaamkaaf» verfehlte seine
Wirkung nicht. Weil der gläserne Baumständer vom zu
dicken Stamm ruiniert ist, hängt die Edeltanne
schließlich von der Decke: «Un trocken lässt die
Mudder hern, jetzt kann mer besser drunner kehrn.»
Unter
Leitung Wolfgang Schmitt-Gauers boten die
Vereinsmitglieder vorwiegend bekannte
Weihnachtslieder wie «Tochter Zion», «Es ist für uns
eine Zeit angekommen», «Fröhliche Weihnacht», «Leise
rieselt der Schnee» sowie das «Kalenderlied» und
Beethovens feierliche «Hymne an die Nacht». Der fiel
gerade draußen in nicht geringer Menge vom Himmel,
weniger zur Freude der motorisierten Zeitgenossen.
Dafür umso mehr für all jene, die zu Fuß durch die
in zauberhaftes Weiß gehüllten Gassen der Altstadt
unterwegs waren und den Blick auf die verzauberte
Landschaft genossen.
Mit den Schlussliedern «Stille Nacht» und O du
fröhliche» stimmten die Laienspielschar klangvoll
auf die Feiertage ein.


Kronberger Bote, KW 27 - Kerbeblättche!
Kronberg (pu) – Heute Abend ist
es endlich soweit! Pünktlich um 19.30 Uhr wird der Cronberger
Schützenverein von 1398 die geladene Haubitze zünden und mit dem
ersten lauten Böllerschuss das Startsignal zum Beginn des
größten Kronberger Volksfestes, der Thäler Kerb, geben. Wenig
später wird
sich der Zug mit dem zu verabschiedenden Thäler Borjermaaster
und seiner Miss Bembel 2009, Stefan Mausolf und Birgit
Ritschel, dem neuen Thäler
Pärchen 2010 und den Kerbeburschen mit dem geschmückten Baum am
Hembus Haus in der Königsteiner Straße in Bewegung setzen und
ins Tal ziehen. „Drollo“ wird vom Fanfarenzug, der Rittergarde,
den Keltergemeinschaften „Hessekittel“ und „Äppelschüttler“, der
Kronberger Laienspielschar, den Schernbornschwalben vom
Männergesangverein 1860, dem Musik-Verein Kronberg und der
Cronberger Schützengesellschaft von 1398 zu seinem Standort
geleitet.
Am Haaseberg werden die Kerbeburschen den Baum aufstellen und „Drollo“
in luftiger Höhe platzieren. Das neue Thäler Pärchen wird danach
die Regentschaft über das Tal übernehmen und das Volksfest
offiziell eröffnen. Bei Pflastertanz, Weck, Worscht und Woi wird
anschließend bis Mitternacht gefeiert. Und damit beim Tanzen
auch beide Hände frei sind, gibt es wieder die beliebten
salzglasierten Becher zum Umhängen.
Um den Müllberg so gering wie möglich zu halten, werden die
Besucher gebeten, ihre in früheren Jahren gekauften Trinkbecher
zum Fest mitzubringen. Am Freitag geht es mit dem traditionellen
Frühschoppen, dem Seniorennachmittag und ab 20 Uhr wieder mit
Tanz weiter. An beiden Abenden wird die Hausband „Die Colibris“
für die musikalische Stimmung sorgen, zum Frühschoppen und beim
Seniorennachmittag spielt der Musik-Verein Kronberg.
Mit Erscheinen dieser Ausgabe wird auch das Geheimnis gelüftet,
für welches Pärchen sich die Findungskommission in diesem Jahr
entschieden hat und wer sich folglich in der letzten
Donnerstags-Ausgabe hinter den Bembeln versteckte. Die
Regentschaft über das „Thal“ werden heute Abend zwei Mitglieder
eines schon seit Jahren unzertrennlichen „Dreigestirns“
übernehmen: Karin Lukas und Paul Jochmann.
Die 40-jährige Karin Lukas, eine geborene Ludewig, hat in
Frankfurt das Licht der Welt erblickt. Im zarten Alter von drei
Jahren hat sie zwar mit Sicherheit noch keinen Gedanken daran
verschwendet, welcher der anderen Dreikäsehochs im Kindergarten
St. Peter und Paul sich als künftiger Thäler Borjermaaster oder
späterer Ehemann eignen könnte, als Spielkameraden sammelten
offenbar die Jungs Paul Jochmann und Franz Lukas die meisten
Pluspunkte. Dieses „Dreigestirn“ war auch später unzertrennlich.
Gemeinsam besuchten sie anschließend zunächst die Grundschule
Kronberg, später hieß das Ziel Altkönigschule. Die gemeinsame
Leidenschaft für Musik führte schließlich zum
Musikverein-Kronberg. Als bekannt wurde, dort soll ein
Jugendorchester gegründet werden, war völlig klar „Da simmer
dabei!“ Karin und Paul entschieden sich jeweils Klarinetten als
Instrument zu spielen, Franz nahm eines der „Flügelhörner“.
Zusätzlich verstärkten die Drei das Orchester der AKS. Gemeinsam
ging man durch dick und dünn; irgendwann wurde aus Karin und
Franz ein Paar. Es folgte die Hochzeit im Jahr 2000, ganz klar,
natürlich mit Paul als Trauzeugen. Sohn Friedrich
vervollständigt das Familienglück in der Unteren Höllgasse.
Beruflich ist die Textilbetriebswirtin bei Jack Wolfskin in
Idstein im Einkauf tätig.
In
ihrer Freizeit gehört ihr Herz neben dem Musikverein auch der 1.
Kronberger Laienspielschar. Regelmäßigen Besuchern der Thäler
Kerb wird uffallen, nach Simone Gottschalk (2006), Petra
Nauheim (2007) und Birgit Ritschel
(2009) ist Karin Lukas bereits die Vierte, die innerhalb von
vier Jahren aus diesem munteren Mundart-Grüppchen kommt. Bei
Insidern hält sich deshalb jetzt hartnäckig das Gerücht, die
Laienspielschar werde in Kürze eine verstärkte
Mitglieder-Werbeaktion gestartet, damit der „Miss
Bembel-Nachwuchs“ weiter gesichert ist.
„Was machst du
eigentlich im richtigen Leben, Paul?“ Diese Frage zu nächtlicher
Stunde eines nicht mehr wirklich nüchternen Festbesuchers
erscheint bei näherer Betrachtung durchaus berechtigt denn wann
auch immer ein größeres Freiluft- Fest in Kronberg stattfindet,
ist der Familienclan Jochmann für gewöhnlich dabei. Für die
Metzgerei ist gerade auch im Sommer Hochsaison und damit auch
für den Grillstand in der Tanzhausstraße, an dem Paul am
Wochenende Worscht und Schwenksteaks im Akkord zubereitet.
Deshalb schöpfte am Samstag vor der Kerb auch niemand ernsthaft
Verdacht, als Paul am frühen Morgen begann, Tische und Bänke auf
dem Tanzhaus aufzubauen. „Das macht der ja jedes Wochenende, der
scheidet also aus dem Kreis der potenziellen ‚Borjermaaster-
Kandidaten‘ aus“, musste Bernd Girold, Erster Vorsitzender des
Thäler Kerbevereins (TKV) seinen Irrtum schmunzelnd eingestehen,
nachdem er eines besseren belehrt worden war, weil die Fahne des
Thäler Bürgermeisters eben doch seit Samstag in der
Tanzhausstraße aufgestellt ist. Um auf die Frage zurück zu
kommen, was der waschechte Kronberger Bub im richtigen Leben
macht; nach seinem Realschulabschluss folgte eine Lehre als
Elektroanlageninstallateur und Energieanlagenelektronik. Doch
das war dem Mann, der kürzlich seinen 40. Geburtstag gefeiert
hat, nicht genug. Er setzte das Fachabitur drauf und studierte
danach an der Fachhochschule in Darmstadt
Elektrotechnik-Automatisierungstechnik und schloss als
Diplom-Ingenieur ab. Seit 30 Jahren verbringt er seine Freizeit
ebenso wie Karin beim Musik-Verein Konberg, auch bei der
Freiwilligen Feuerwehr engagiert sich der gewählte Zugführer in
starkem Maße. Ein wenig gekickt hat er früher, mittlerweile
setzt er sich wann immer sich Gelegenheit dazu bietet, aufs
Mountainbike und das durchaus ambitioniert. Seit drei Jahren
fährt er – übrigens gemeinsam mit Michael Nauheim, dem Mann der
Miss Bembel von 2007, und Franz Lukas – bei der Österreichischen
„Salzkammergut-Trophy“ mit.
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Taunuszeitung, KW 27
Jetzt regieren die Sandkastenfreunde
Thäler Kerb wird heute eröffnet
– Karin Lukas und Paul Jochmann sind Miss Bembel und
Borjemaaster
Von Tina Tonsen
Ganz Kronberg steht Kopf! Die Party des Jahres wird gefeiert:
die Thäler Kerb. Mit dem Kerbezug durch die Altstadt ins «Thal»
wird das zweitägige Volksfest heute Abend eröffnet. Mittendrin
Karin Lukas und Paul Jochmann, die neuen Regenten, das Thäler
Pärchen 2010!
Kronberg. Jedes Jahr gibt es in Kronberg ein best
gehütetes Geheimnis: Wer wird wohl dieses Mal das Thäler
Pärchen? Jetzt ist es offiziell, denn die Fahne des Thäler
Bürgermeisters («Borjemaaster») hängt in der Tanzhausstraße bei
Paul Jochmann und die Flagge der «Miss Bembel» weht vor dem Haus
von Karin Lukas in der Unteren Höllgasse.
Die Zeit der Geheimniskrämerei
fanden die beiden spannend und manchmal mussten sie aufpassen,
dass sie sich nicht durch ein wissendes Grinsen verraten.
Nämlich immer dann, wenn im Freundeskreis gerätselt wurde, wer
wohl das neue Thäler Pärchen sei. Begonnen hat das Abenteuer in
diesem Jahr allerdings etwas anders.
Normalerweise besucht das
Findungskomitee die Auserwählten zu Hause, um sie zu fragen, ob
sie die Ämter übernehmen «Aber als Conny Temmen, Reni Temmen und
Simone Hotter dieses Jahr gemeinsam loszogen, bestand die
Gefahr, dass sie dabei beobachtet werden könnten und die
Nachbarn dann ihre Rückschlüsse ziehen. «Denn wir beide kommen
ja aus der Altstadt – und die hat bekanntlich überall Augen»,
weiß Karin Lukas. Und so ging Reni Temmen – vor exakt zehn
Jahren selbst «Miss Bembel» dieses Mal besonders raffiniert vor.
Ganz unschuldig lud sie ihre Freundin Karin ein, mal bei ihr zu
Hause vorbei zukommen, sie wolle ihr ein paar neue Klamotten
zeigen. Das war nichts Ungewöhnliches und passiert unter
Freundinnen halt immer wieder mal.
So dachte sich die 40-jährige
Textilbetriebswirtin auch überhaupt nichts dabei, als sie eines
Abends bei Reni in der Tanzhausstraße vorbei kam, wie so oft.
«Nach einer halben Stunde rückte Reni dann mit dem eigentlichen
Grund heraus – und da war ich doch ziemlich überrascht»,
berichtet die Mutter eines zehnjährigen Sohnes. Obwohl sie
eigentlich nicht so gerne im Vordergrund steht, sagte sie sofort
zu. Karin Lukas: «Die ,Miss Bembel‘ lehnt man nicht ab, das ist
doch klar!»
Viele Gemeinsamkeiten
Und ihr war sofort klar, dass der
«Borjemaaster» nur ihr alter Kumpel und Sandkastenfreund Paul
Jochmann sein konnte. Der gleichaltrige Elektrotechnik-Ingenieur
hatte fast die gleiche Szene einen Tag vorher erlebt. Auch er
wurde von Reni Temmen eingeladen, doch mal vorbei zu kommen.
«Zwar haben wir schon damit gerechnet, irgendwann mal gefragt zu
werden – aber auf keinem Fall in diesem Jahr, denn wir sind sehr
eng mit dem Vorgänger-Pärchen Birgit Ritschel und Stefan Mausolf
befreundet und dachten deshalb, dass dieses Mal andere an der
Reihe sind», erzählt der neue «Borjemaaster».
Die beiden Ur-Kronberger sind
seit ihrer Kindheit eng miteinander befreundet. Schon in den
Kindergarten sind sie gemeinsam gegangen und auch in der
Grundschule waren sie in einer Klasse, gemeinsam besuchten sie
dann die Altkönigschule, bevor sie ihre Ausbildungen begannen.
Als klar war, dass sie
das neue Thäler Pärchen sind, musste einiges an
Vorbereitungen getroffen und dennoch die
Geheimhaltung gewahrt werden. Gar keine so leichte
Aufgabe. Karins Mann Franz wurde eingeweiht («Er hat
nur gelacht und sich für mich gefreut.»), Söhnchen
Friedrich allerdings nicht. Aber die Eltern, die im
gleichen Haus leben, mussten informiert werden,
sonst wären sie nämlich zur Kerb mit ihrem Enkel
verreist gewesen.
Etwas schwieriger
gestaltete sich das bei Paul Jochmann, denn bei ihm
sollte zum Fahnenstellen gefeiert werden und da
musste die Bewirtung der vielen Gäste gesichert
sein. Logisch, dass die Kronberger
Traditions-Metzgerei Jochmann, die vom Vater und
Bruder direkt gegenüber geführt wird, diese Aufgabe
übernehmen sollte. Um die kulinarische Versorgung
sicher zu stellen, sprang in konspirativer Art und
Weise Conny Temmen ein, die einfach bei Mutter
Jochmann ein entsprechendes Büfett «für sich»
bestellte, es solle dann auch von ihr abgeholt
werden. Wurde es auch – und direkt zu Paul Sohn auf
die andere Straßenseite gebracht. Ein gelungener
Coup!
Thron statt
Klarinette
Dann war nur noch die
Sache mit dem Musik-Verein zu klären, dem Paul
Jochmann und Karin Lukas beide schon seit vielen
Jahren angehören und der bei der Thäler Kerb auf dem
Balkon in der «Staagass» aufspielt. Karin bedient
dort die Klarinette und das Alt-Saxofon, Paul
ebenfalls Klarinette und das Tenor-Saxofon. Beide
sollten sich, wie alle Musiker in jedem Jahr, in
eine Liste für die Teilnahme an der Kerb eintragen.
Karin konnte sich herausreden und sagte, dass sie
nicht wisse, ob sie in diesen Tagen Urlaub bekommt.
Paul trug sich ein, «sonst wäre das aufgefallen»,
meint er. Nun muss der Musik-Verein auf die beiden
verzichten, wenngleich sie auch nur einen knappen
Meter von dem Orchester entfernt «thronen» werden.
**************
Taunuszeitung, KW 14, 2010
Das nächtliche Glanzlicht
Führungen auf dem Laternenweg sind der
Renner bei der Laienspielschar
Ein
Laternenweg in Kronberg – für was braucht man so etwas? Die Frage hatten
doch einige Skeptiker gestellt, als das Projekt vor drei Jahren intensiv
diskutiert wurde. Die passende Antwort bekamen die Zweifler spätestens jetzt
bei der Mitgliederversammlung der Laienspielschar.
Kronberg.
Gerade einmal zwei Jahre ist es her, dass Petra Nauheim im Ornat des
Kronberger Nachtwächters die ersten interessierten Zuhörer über den
Laternenweg geführt hat. Von einigen Zeitgenossen damals sanft belächelt,
sind es heute die Vorsitzende der 1. Kronberger Laienspielschar und ihre
Mitglieder, die gut Lachen haben. Ihre Hoffnungen, die sie mit den Führungen
vorbei an den mit Scherenschnitten verzierten Laternen und durch die
abendliche Altstadt verknüpft haben, sind mehr als erfüllt worden.
«Wir haben über Berg und Tal geführt», betonte die Vereinschefin jetzt bei
der Hauptversammlung der Laienschauspieler, «und seit der Erstbegehung über
1000 Besucher auf den Weg gebracht».
10 öffentliche und 11 private Führungen,
davon eine Führung in englischer Sprache, haben die Mitglieder der
Laienspielschar allein im Jahr 2009 bestritten und vor den Augen der
Besucher in szenischen Darstellungen und mit Hilfe der Scherenschnitte die
Kronberger Geschichte wieder lebendig werden lassen. Damit ist der
Kronberger Laternenweg zum echten «Kassenschlager» avanciert. Denn ein
Großteil der Einnahmen des rührigen Vereins kommt, nach dem Bericht von
Kassiererin Heike Fuchs-Limberger aus diesem Projekt.
Ausbau denkbar
Mittlerweile, so die
Vorsitzende, zieren gut 50 Scherenschnitte aus der Hand des Künstlers Albert
Völkl die Kronberger Laternen. Jeder Schnitt für sich ist ein Kleinod,
verpasst der Burgstadt wenn es Nacht wird, sein ganz besonderes Glanzlicht.
Kein Wunder, dass sich der Vorstand derzeit über einen Ausbau
beziehungsweise die Erweiterung von Routen über den Laternenweg Gedanken
macht, wie Petra Nauheimer berichtete. Ihr Dank galt am Abend der
Mitgliederversammlung im «Posthaus» allen Beteiligten: «Selbst wenn es an
der einen oder anderen Stelle nur zu fünf Minuteneinsätzen kam, war das doch
eine große Hilfe für uns. Jeder hat den Weg mit seinem Beitrag lebendig
werden lassen.»
Ähnlich positiv wie die Zahl der Besucher
entwickelt sich auch der Mitgliederbestand. Derzeit gehören 58 Männer und
Frauen der Laienspielschar an. Aus haftungsrechtlichen Gründen, so die
Vereinsvorsitzende, habe man sich im vergangenen Jahr entschlossen, den
Verein in das Vereinsregister eintragen zu lassen. Die hierfür notwendige
Satzungsänderung wurde bei der Versammlung einstimmig von den Mitgliedern
beschlossen. «Im nächsten Jahr stehen die Vorstandswahlen an. Wir werden den
Vorstand dann um einen Beisitzer erweitern», kündigte Petra Nauheim schon
einmal an.
So groß der Stellenwert des Laternenweges
auch mittlerweile im Vereinsleben ist, bleibt im Verein doch noch
ausreichend Zeit, das kulturelle Leben der Stadt auch auf andere Art zu
bereichern. «Dass wir mittlerweile auch wieder aus dem Stegreif singen
können, haben wir der Tatsache zu verdanken, dass wir wieder einen
Dirigenten an unserer Seite haben, der eben mal die
Gitarre auspackt und einfach loslegt», erzählte die Vorsitzende amüsiert.
«Sie sind für uns eine echte Bereicherung», fiel das Lob Nauheims an die
Adresse von Wolfgang Schmitt-Gauer entsprechend vollmundig aus.
Der so Gelobte gab die Blumen allerdings
auch gerne zurück. Ihm sei die 1. Kronberger Laienspielschar «während der
bisherigen Zusammenarbeit auch sehr ans Herz gewachsen», betonte
Schmitt-Gauer und setzte gleich noch einen Vorschlag hinzu: «Ich bin dafür,
noch öffentlicher zu werden. Sie sollten ihr Licht nicht unter den Scheffel
stellen. Sie sind ein wichtiger Beitrag zur Kronberger Kultur.»
Die Entwicklung der Laienspielschar sei
enorm, betonte Schmitt-Gauer. Um den musikalischen Bereich noch weiter
auszubauen, startete sogleich einen Aufruf. «Wer singen kann, ist jederzeit
willkommen. Wir suchen Männerstimmen und Frauenstimmen. Ein Mitmachen lohnt
sich allein wegen des Spaßes. Wir haben auch viel Geduld», betonte er
amüsiert. juba
Für 2010 haben sich die Hobby-Akteure wieder
einiges vorgenommen.
02.01.2010 TZ
Lokales
Mein 2010 Hört ihr Leut...
Was sich ein Nachtwächter
wünscht, wenn er des Nachts durch die Gassen streift?
Dass
auch weiterhin unser «Hört Ihr Leut und lasst euch sagen…» niemanden
um den Schlaf bringt und dass auch Bläser, Trommler und staunende
Menschen keinen in seiner abendlichen Ruhe stören. So wie bisher. .
.Danke! Und dass die Menschen auch tagsüber erkennen, in was für einer
wunderbaren Stadt sie leben. Nachts wird Vergangenes vielleicht
beleuchtet, aber tagsüber erzählen Häuser, Winkel, Gassen und alte
Kronberger die Geschichten einer Stadt.
Man muss nur die Augen öffnen. . .
22.12.2009 TZ
Lokales
Kronberg
Weihnachten auf Hessisch
Mit alter Tracht und neuen Stücken: Die Laienspielschar warf
einen hessischen Blick auf das Christfest. Foto: Schü
Kronberg.
«Da sinn doch besser feste Schuh, da wern die
Fieß net nass, net jeder, der im Matsch rumbatscht, der hat dadran
aach Spass», hatte Kronbergs unvergessene Ehrenbürgerin Hanna Feldmann
einst zur Winterszeit gereimt.
Am Sonntagabend konnte man sich indes vom
Wahrheitsgehalt dieser Verse überzeugen, denn der Weg zum gut
besuchten Recepturkeller führte bei drastischen Minustemperaturen
durch eben jene glitschige Masse, die als Schnee für ein reizvolles
vorweihnachtliches Ambiente in der Burgstadt sorgte.
Derweil bot die 1. Kronberger Laienspielschar im
heimeligen steinernen Gewölbe Lieder wie «Psallite», «Kommet, ihr
Hirten» oder das altfranzösische «Engel haben Himmelsieder» sowie
Mundartliches zum bevorstehenden Christfest.
Wolfgang Schmitt-Gauer hatte die Gesangsstücke
einstudiert und begleitete das ein oder andere auf der Gitarre. Von
der «Schlemmerei uff’m Weihnachtsmarkt» war außerdem die Rede, vom «Dannebaam»,
der fleißig nadelt, und einem «Weihnachtswunner», das einem
Stadtstreicher widerfährt.
Sehr zum Amüsement der Anwesenden bot der Nachwuchs
einen «Weihnachts-RAP» auf «Ihr Kinderlein kommet». Etwas weniger
festlich, dafür aber charmant pointiert «Der Schwips», in dem ein
Vater seinem Sohn erklärt: «En Schips, des iss, wenn de da am Tisch
statt dene zwaa Leut vier sitze siehst.» Und der Sohn treuherzig
antwortet: «Abber da sitzt doch nur aaner!» Über die «Öko-Weihnacht»
und die obligate «Weihnachtsgans» ging es im zweiten Teil zu den
unverzichtbaren Liedern «Stille Nacht» und «Oh du fröhliche», mit
denen das Programm offiziell schloß

Mundartmatinee in Kiedrich, Rheingau - 2. August 2009
18.
Hedwig-Witte-Mundartmatinee mit Akteuren von beiden Seiten des Rhein
Von Manfred Hambrecht
Ulrike Neradt fühlte sich zwischen den zwei "großen" Bürgermeistern"
Winfried Steinmacher und Manfred Kohl sichtlich wohl.
Kiedrich.
(mh) – Obwohl es in den frühen Morgenstunden noch gewittert
hatte, waren die Freunde der Mundart in rekordverdächtiger Zahl zur 18.
Hedwig-Witte-Mundartmatinee zum Scharfenstein gekommen. Dabei ließen sie
sich weder vom Bauzaun noch den Containern im Zusammenhang mit der Sanierung
des Scharfensteins stören, sondern erfreuten sich an den köstlichen
Mundartdarbietungen.
Auch für die diesjährige Matinee hatte die vor jugendlicher
Frische sprühende Ulrike Neradt und ihr kreatives Team ein über
dreistündiges, aus Vorträgen, Gedichten, Geschichten und Liedern prall
gefülltes Programm erstellt, das sich nicht nur als sehr abwechslungsreich,
sondern auch als höchst unterhaltsam erwies. Dabei hatten die Akteure von
"beiden Seiten des Rheins" einmal mehr kostenlos ihr Bestes gegeben und den
Applaus gerne als Lohn angenommen.
Die aufwendigen Renovierungsarbeiten an der noch
eingerüsteten Burg Scharfenstein stehen, wie "Hausherr" Steinmacher sagte
und auch alle sehen konnten, kurz vor dem Ende. Nach derzeitigen Kenntnissen
werden sie Mitte Oktober fertiggestellt sein. Die Gesamtkosten belaufen sich
auf cirka. 360.000 Euro. Er sei dem Land Hessen für die finanzielle
Beteiligung mit einer Summe von 170.000 Euro sehr dankbar. Dankbar sei er
auch den Kulturzeugen Kiedrich und der Initiative "Rettet den Scharfenstein"
für die Herausgabe des von Werner Kremer entworfenen Kiedricher Kalenders,
von dessen Verkaufspreis von vier Euro cirka drei Euro der Renovierung
zufließen.
Um auch in der jüngeren Generation für den Erhalt der Mundart
zu werben, hatte Ulrike Neradt mit Elena Jakob die Matinee mit
Mundartgedichten aus der Feder von Hedwig Witte eröffnet. Das
Nachwuchstalent gehört den "Rheingauer Schlappmäulcher" an.
"Auch Bürgermeister sind Künstler" hatte Neradt den
mittlerweile zum festen Bestandteil der Mundartmatinee gewordenen Auftritt
von Winfried Steinmacher und seines Kollegen Manfred Kohl als Walluf
angekündigt. Dabei hatte sie die Lacher nicht nur mit ihren Erzählungen über
die "Barbierer" auf ihre Seite gezogen, sondern auch am Beispiel des für
1.000 Mark gekauften, aber dennoch nichtsnutzenden Gauls das Wort
"Ergebenheit" mit einem einzigen Satz erklärt: "Er geb en heit for Hunnert
her", habe der Bauer gesagt.
Mit
Herbert Völkner, "unser’m Mann aus Nackenheim", so Ulrike Neradt, stand an
diesem Vormittag ein dort bekannter Heimatdichter auf der kleinen Bühne, der
humorvoll verpackt viel über die Lebensart der Menschen auf "der ebsch-Seit"
zu berichten wußte. Und der die überraschten Zuhörer mit seinem
"Rheinhessischen Hügelland-Jodler" hellauf begeisterte.
"Weil
ich hier den Uffmacher mache solle, hab’ ich mich aus dem Bett gemacht, mir
ein schöne Kaffee gemacht und mich auf den Schaffestoo gemacht", beschrieb
Herbert Michel in imposanten Wortspielen den "Rheingauer als Macher".
Nachdem er auch erläutert hatte, daß ein Schuhmacher "Schuh macht" und ein
Hausmacher "Worscht macht", war ihm beim "Steinmacher" jedoch keine passende
Antwort eingefallen. Ein "Schuft", wer dabei an Kiedricher Wein dachte.
Wie die
Menschen in Koblenz "schwätze", erzählten die in der heimischen
Fastnachtsszene bekannten "Kobbelenzer Altstadtpänz" in ihren musikalischen
Darbietungen zum Schunkeln und Mitsingen. Dabei war ihren Zuhörern schnell
klar geworden, daß Lachen und das Verbreiten von Frohsinn ihr Metier ist und
für Trübsinn kein Platz ist. "Wir können die Menschen nicht versteh’n, die
zum Lache in den Keller geh’n", warben sie für mehr Optimismus im Alltag.
Nachdem
Paul Dries die Bühne betreten hatte, wußte Neradt, daß der minutiös
festgelegte Zeitplan ohne ihre gestrengen Blicke auf die Uhr aus dem Ruder
zu laufen droht. Bestens aufgelegt spielte der Harley-Davidson-Fan mit dem
Buchstaben "w" und faßte ihn zu sinnvollen Sätzen zusammen und sang über den
Regenwurm, der ganz besonders traurig ist, wenn die Sonne scheint. Als er
schließlich seine Version vom "puddelnackisch" auf einem Felsen hoch über
den Rhein sitzenden "Lorche" mit schlimmen Folgen "für mein alde VW" zum
Besten gibt, geriet das Publikum schier aus dem Häuschen. Worauf sich Ulrike
Neradt umgehend mit der sächsischen Version der Loreley revanchiert und
dafür ebenso begeistert gefeiert wurde.
"Was
reinläuft, muß auch wieder rauslaufen", hat Karl Hornberger, Mundartautor "Hombes"
aus Bad Kreuznach, anschließend sofort die Lacher mit der genauen
Schilderung seiner Erlebnisse im Pinkolatorium mit Spiegel im Pflälzer Wald
auf seiner Seite, ehe die "Nassauische Bänkelsänger" aus Bechtheim das
Publikum mit ihren Liedern über die "Marina, die beste Kuhl im ganze Stall"
und die "Hühnerstraße", bei ihnen "Chicken Highway", genannt zum Mitsingen
animieren.
"Er
schwebt jetzt auf Wolke sieben und hört uns sicher zu", erinnerte Markus
Molitor sehr zur Freude von Akteuren und Zuhörern an Walter Müller und seine
Mundartgeschichten. Dabei ließ Molitor den "Eltviller Frühmessner" wieder
auferstehen, erzählte von der nicht ganz reibungslos verlaufenden Beerdigung
der Anna und berichtete vom Mann, der statt zur Post in die "Post" gegangen
ist und beim Sturz aus der Gastwirtschaft "außer sechs Halbe un en Spundekäs"
sich zu Glück nichts gebrochen hat.
Als
spannend und erfrischend erwies sich das mit einer überraschenden Pointe
endende Märchen "De Winzer im Himmel", das Monika Albert und Gisbert Kessler
vortrugen. Darin hatte der liebe Gott den "armen" Winzer umgehend aus dem
Himmel geworfen, nachdem er selbstherrlich seinen Kollegen mit dem "goldische"
Hocker vom Chef beworfen hatte.
Um Wein
ging es auch in den Gedichten und Liedern, die Horst Bischel aus
Gau-Algesheim bei seinem ersten Auftritt im Rahmen der Mundartmatinee
gemeinsam mit Völkner präsentierte. "Ich brauch’ en Wein für meine Schnut,
der auch nach Wein schmecke dut", persiflierte er das übertriebene Getue um
Geschmacks- und Geruchsempfindungen des Rebensaftes. Dann erzählte Alfons
Molitor in Gau-Algesheimer Mundart, wie sich ein Handkäs und ein Rollmops
unterhalten: "Und wenn sie nicht gegessen sind, dann erzählen sie heute
noch".
Eine gelungene Premiere feierte auch die in historische
Tracht gekleidete Heimat- und Brauchtumsgruppe aus Kronberg mit Liedern über
die Kerb und die Hessen, bei denen das Publikum mit einstimmte. Höhepunkt
war jedoch ihr Sketch: "Wenn 100 reden, kann man den 101. nicht mehr hören".
Immer
wieder gerne gesehen und vor allem gehört wird der Eltviller Mundartautor
Karl Heinz Wahl, der alles auswendig "aus dem hohlen Kopf" heraus erzählte.
Auch darüber, daß ihm noch heute der Schreck in den Knochen sitzt, "daß ich
mein Pilzgericht bereits vor dem Essen bezahlen mußte". Seinem Freund Kevin
habe er das "Anti-Aggressionstraining von Knigge" empfohlen, nachdem dieser
sein Auto in der Garage gegen die Wand gedonnert hatte. Und als Wahl mit
biererster Mine berichtete, daß Eltviller Passanten den aus dem Fenster
gestreckte Hintern mit "Guten Tag, Herr Bossong" begrüßt hatten, kannte die
Begeisterung der Zuhörer keine Grenzen mehr.
"An
meinem Grinsen können Sie sehen, daß ich mehr als glücklich bin", hatte
Ulrike Neradt, Erste Vorsitzende der Rheingauer Mundartvereins, noch lange
Zeit nach dem von Monika Albert in wohlgesetzten Versen gesetzten
Spendenaufruf für den Scharfenstein die Summe der Spenden geheim gehalten
und erst am Ende der Mundartmatinee Bürgermeister Winfried Steinmacher 1.576
Euro überreicht, der sich für die spontane Aktion bedankte. Bisher seien
rund 27.000 Euro auf dem Spendenkonto "Sanierung der Burg Scharfenstein"
eingegangen. Weitere Spenden seien willkommen.
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Kronberger Zeitung, KW 26 2009

Taunuszeitung, 26. Juni 2009
Zu einem interaktiven Erlebnis wurde der 48. Mundartabend
der Kronberger Laienspielschar, der unter dem Motto «Es riecht nach Kerb,
die Keste bliehe…» kürzlich im Terracotta-Saal auf der Burg für ein volles
Haus sorgte.
Unter der souveränen Leitung von Wolfgang Schmitt-Gauer zeigte die gemischte
Gruppe einerseits ihr großes gesangliches Vermögen und andererseits die
schauspielerischen Talente zahlreicher Mitglieder.
Die vielen Besucher – der Terracotta-Saal war voll besetzt
– hatten an diesem Abend sichtlich und hörbar Spaß, gerade auch deswegen,
weil sie nicht nur passiv bestens unterhalten wurden, sondern ab und zu auch
mal selbst mit ran mussten. Schon bei der Kronberg-Hymne, «Kronberg, du bist
ja mei alles» wurde seitens des Chores zum Mitsingen aufgefordert, was sich
die gut gelaunten Anwesenden nicht zwei Mal sagen ließen.
Perfekt vorbereitet hatte die Laienspielschar dazu
Liederhefte ausgelegt, die mit Noten und Texten dem Publikum Hilfestellungen
gaben. Einen großen Coup landete die Laienspielschar mit dem Stück «Schwätze
mehr als 110». Hier sollte mit dem Publikum ein achtstimmiger Kanon gesungen
werden – und das gelang wunderbar. Wer von außen zuhörte, musste den
Eindruck gewinnen, als ob hier ein fulminanter Chor auftritt.
Dazu stellten sich die Mitglieder der Laienspielschar auf beiden Seiten
jeweils zu zweit oder zu dritt direkt neben die Stuhlreihen und gaben auf
Anweisung des Chorleiters für «ihre» Gäste jeweils die Einsätze. Eine
Aufführung, wie man sie in Kronberg bislang wohl vergebens suchte.
Neben den musikalischen Beiträgen wurden von anderen
Mitgliedern der lustigen Truppe kurze und vor allem humorvolle Gedichte
vorgetragen – natürlich in echt Kronberger Mundart. Diese sorgten für viele
Lacher – vielleicht sogar für den ein oder anderen Muskelkater im Bauch am
nächsten Tag.
Ob beim
Sketch am Tisch, als Chor oder Animateur-Gruppe: Die Kronberger
Laienspielschar begeisterte ihr Publikum.
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Taunuszeitung, 15. Mai 2009
Die 1. Kronberger
Laienspielschar hat ihr Publikum mit auf eine Märchenreise durch die Stadt
genommen. Zunächst das Kronberger Märchen «Die Höhle im Altkönig»,
dann ein Rundgang auf dem Märchenpfad durch die Altstadt.
Kronberg.
An einem sonnigen Septembertag soll sich die
Geschichte zugetragen haben, als das Mädchen Malchen, das vor langer Zeit
mit seiner Mutter in Kronberg lebte, durch den bösen Waldgeist in die Höhle
des Altkönig gelockt wurde. Sieben Jahre musste sie dort verbringen und ihre
Mutter viele Prüfungen bestehen, damit Malchen wieder freikam. Dabei waren
die Tiere des Waldes, die weise Frau und der Schäfer behilflich. Für die
Treue und Liebe schenkte der Altkönig dem Malchen einen Karfunkelstein, der
es beschützen sollte und Edelsteine, Gold und Silber, damit Malchen und ihre
Mutter gut leben konnten.
Gespannt lauschten Erwachsene und Kinder
der Lesung von Elvira Sittinger. Die Kronbergerin nahm ihre Zuhörer mit auf
eine geheimnisvolle Reise rund um den Altkönig. Viel gab es zu erfahren. Zum
Beispiel soll es im Taunus den Butznickel gegeben haben. Einen Waldschrat,
der mit dem Altkönig kooperiert hat, und eine weise Eule und einen Fuchs,
die sich nicht leiden konnten. Die weise Frau lebte auf einer Mauer an der
Hohemark und kehrte dort Tau und Nebel ins Tal. Auch Brunhilde aus der
Nibelungensage kam in dem Märchen vor. Auch die sieben Brüder, die heute
noch in Gestalt von Bäumen am Fuße des Altkönig stehen sollen.
Die Vorlage des Märchens von Wilhelm
Jung hat Annette Reinhardt von der 1. Kronberger Laienspielschar
umgeschrieben, bis sie auf das von Albert Völkl entwickelte
Tisch-Schattentheater passte. Elvira Sittinger las als «Märchentante»
im Schaukelstuhl die Geschichte anschaulich vor. Die Figuren hinter
der «Schattenkulisse» bewegten Birgit Ritschel und Petra Nauheim.
Wolfgang Schmidt-Gauer untermalte das Märchen musikalisch.
Damit das Märchen von der Höhle im
Altkönig weiterlebt, erzählen neun Laternen auf einem «Schlenker» des
Kronberger Laternenwegs die Geschichte. Der Kronberger Märchenpfad
wurde im Anschluss an die Lesung in der Zehntscheune beschritten. In
der Eichenstraße lebte die Geschichte nochmals auf eine ganz andere
Art und Weise auf. Hier gab Annette Reinhardt einige Anekdoten zum
Besten. Etwa die vom Flintendreher. Der soll oft betrunken gewesen
sein und soll alles geschossen haben, was sich im Wald bewegte. Am
Eichentor endete die Führung. Damit alle Kinder «gut beschützt» nach
Hause gehen konnten, durften sie sich aus einem Korb einen «Edelstein»
mit auf den Heimweg nehmen.
Wertvolles Engagement für das Gemeinwohl
Taunuszeitung, 10.03.2009
Ehrenamtliche Tätigkeit ist alles andere als eine abstrakte
Größe. Sie manifestiert sich im konkreten Handeln von Menschen für Menschen.
Johanna Dietz und Käthe Herrmann, zwei Kronbergerinnen, die sich seit
Jahrzehnten auf vielfältige Weise ehrenamtlich engagieren, erhielten am
Sonntagabend im voll besetzten großen Saal der Stadthalle dafür eine
besondere Auszeichnung: den Kronberger Frauenpreis. Kronbergs
Stadtverordnetenvorsteherin Blanka Haselmann (CDU) und die ehrenamtliche
Stadträtin Hilke Amthor (SPD) überreichten die zum 17. mal nach 1993
vergebene Plakette einschließlich der Ehrenurkunde.
Die diesjährigen Preisträgerinnen «lenken
unsere Aufmerksamkeit auch auf die Schattenseiten unserer Gesellschaft, auf
die Menschen, die Hilfe benötigen», hatte Professorin Wilma Aden-Grossmann,
die Vorsitzende der Arbeitgemeinschaft Kronberger Frauenverbände,
formuliert. Zu den «tragenden Kräften» des «Kronberg Treffs für Seniorinnen
und Senioren» gehört, wie es in der Laudatio hieß, Käthe Herrmann. Drei Mal
in der Woche betreut sie diese Einrichtung mit. Darüber hinaus engagierte
sie sich jahrzehntelang in der 1. Kronberger Laienspielschar, der
katholischen Frauengemeinschaft und dem Partnerschaftsverein Kronberg-Le
Lavandou.
Mit Fug und Recht lässt sich ihr Einsatz
mit dem Wort «unermüdlich» charakterisieren. Ein Zitat der verstorbenen
Kronberger Ehrenbürgerin Hanna Feldmann drückte das aus: «Liebe Käthe, es
war dir niemals etwas zuviel.»
Artikel in der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung, 28.12.2008
Fröhliche Winzer und jammernde Gefangene
Geschichte als Scherenschnitt:
In Kronberg zeigen
die Laternen Episoden aus der Historie der Stadt.
26. Dezember 2008 Gewöhnlich dienen
Laternen dazu, den Weg zu erhellen. Doch Besucher der Kronberger
Altstadt sollten den Blick nicht nur auf das Pflaster vor ihren Füßen,
sondern gelegentlich auch nach oben zur Lichtquelle richten. Dort
entdecken sie streitende Ritter, eine Kaisergattin, Musiker oder
murmelspielende Kinder. Szenen aus der Kronberger Geschichte und dem
heutigen Leben der Stadt zieren als Scherenschnitte das Laternenglas.
47 Motive hat der in Trendelburg lebende Künstler Albert Völkl
inzwischen geschaffen. Die schönste Art, sie kennenzulernen, ist eine
Führung der 1. Kronberger Laienspielschar wie zuletzt Ende November.
Morgen steht die nächste auf dem Programm.
Bis zu 120 Besucher pro Führung
„Hört ihr Leut‘ und lasst euch sagen“, klingt es von fern, als sich
der Nachtwächter durch die Dunkelheit nähert. Etwa 35 Menschen haben
sich am Treffpunkt, dem Recepturhof, versammelt. Obwohl die Nacht kalt
ist, Schneetreiben einsetzt und es nicht die erste derartige Führung
ist. Bis zu 120 Teilnehmer hat die Laienspielschar schon an einem Abend
gezählt. Als der Nachtwächter angekommen ist, entpuppt er sich als zwei
Nachtwächterinnen: Petra Nauheim, Vorsitzende der Laienspielschar, und
Annette Reinhardt haben sich das schwarze Cape übergeworfen, den
passenden Hut dazu aufgesetzt und tragbare Lichter in die Hand genommen.
Schon an den Laternen rund um die Receptur haben sie allerhand zu
zeigen: Eine Cellistin als Hinweis auf die Kronberg Academy, ein
Hochzeitspaar wegen des Standesamts und das Wappen des Mainzer
Erzbischofs Lothar von Schönborn, der 1720 die sogenannte Westerburg der
Kronberger Ritter durch ein Kellereigebäude ergänzen ließ, um dort
Abgaben zu erheben.
Rebstöcke im Rathausgarten
Dann zieht der Tross weiter zum gegenüberliegenden Gasthaus Adler,
und schon wird deutlich, warum gerade die Laienspielschar die Führungen
entlang des Laternenwegs übernommen hat. Im Wirtshauseingang, hinter dem
heute eine Pizzeria betrieben wird, steht Walter Wegefahrt in weißem
Kittel und rotem Künstlerbarett. In der Hand einen Pinsel und vor sich
eine Staffelei erinnert er daran, dass der „Adler“ einst ein beliebter
Treffpunkt der Malerkolonie war.
Ein Stück weiter steht unvermittelt ein Mann in Winzerschürze auf der
Bruchsteinmauer und dirigiert eine kleine Sängerschar, die ein Lied über
den Wein singt. Der Scherenschnitt an der Laterne deutet an, dass auch
in Kronberg Rebstöcke im Rathausgarten wachsen, weil die Stadt mit
Guldental an der Nahe eine innige Beziehung unterhält.
Streit um katholische Kirche
Von der fröhlichen Weinseligkeit geht es durch das inzwischen dichte
Schneetreiben weiter zu einer traurigen Gestalt, die in Ketten hinter
Gittern sitzt. Denn, so zeigen Laienspieler als auch Scherenschnitt, war
der Burckhartsturm einst das Gefängnis. Am Fritz-Best-Platz erzählt
Nachwächterin Nauheim nicht nur etwas über den Bildhauer und Maler als
aktuellen Namensgeber, sondern auch, dass hier früher die Kinder mit
Murmeln gespielt haben. Alte Kronberger sprechen daher immer noch vom
„Klicker-Plätzi“. Zurück an der Schirn, zeigen Seiltänzer auf dem
Laternenglas und Bauersfrauen, dass sich hier der alte Marktplatz
befand.
Die Abbildung streitender Pfarrer erläutert an der nahen
Streitkirche, woher das Bauwerk seinen Namen hat: Kurmainz wollte 1737
ein repräsentatives katholisches Gotteshaus im evangelischen Kronberg
durchsetzen, noch dazu direkt neben der Johanniskirche. Das ließen sich
die Protestanten nicht bieten, und sie trugen den Streit bis vor den
Regensburger Reichstag. Der gab ihnen recht, und auf einem weiteren
Laternenglas ist zu sehen, wie 1756 der Turmreiter abgebrochen wurde,
weil die Kirche nicht als solche diente.
Fotografierende Tauben
Nauheim und Reinhardt haben noch mehr Kronberger Geschichten zu
berichten, etwa die vom Apotheker Julius Neubronner und seinen
fotografierenden Brieftauben: Eine von ihm konstruierte Minikamera mit
Selbstauslöser band er den Vögeln um. Sie lieferte 1904 so gute
Luftaufnahmen, dass sich das Militär dafür interessierte. Am Eichentor,
dem letzten erhaltenen Stadttor Kronbergs, wartet ein Wächter in Uniform
auf die Gruppe.
Jetzt geht es eine steile Treppe hinab zur Steinstraße, und am
Schauplatz der Thäler Kerb, unter den von einer Laterne herableuchtenden
Augen des Thäler Bürgermeisters, endet die Führung, die nur für einen
Teil der Motive gereicht hat.
Scherenschnitte an Laternen
An der Entstehung des Laternenwegs waren viele beteiligt, vor allem
der Altstadtkreis. Die Idee dazu hatte Dorothée Arden vom Kronberger
Kulturkreis aus Heppenheim mitgebracht. In dem Ort an der Bergstraße
hatte Völkl schon zum Hessentag 2004 die Straßenbeleuchtung entlang der
alten Gassen mit Scherenschnitten gestaltet. 150 gibt es dort, und auch
sie werden bei Dunkelheit mit Führungen den Besuchern nahegebracht.
Arden trat mit dem Künstler in Kontakt, und der ließ sich von den
Kronberger Sagen, Geschichten und Begebenheiten schnell inspirieren. Im
Frühjahr dieses Jahres konnte dann die erste Führung organisiert werden.
Im nächsten Frühjahr wird der Weg um einen „Märchenpfad“ genannten
Schlenker erweitert. Völkl baut außerdem ein tragbares Schattentheater,
um mit diesem Bauchladen-Theater die Geschichte von der „Höhle im
Altkönig“ zu erzählen. Sie soll am 10. Mai 2009, dem Tag der Literatur,
öffentlich vorgeführt werden.
Termine der Laternenführungen und weitere
Informationen finden sich unter www.kronberger-kulturkreis.de im
Internet.
Text: F.A.Z.
Von Bernhard Biener
Bildmaterial: Dieter Rüchel
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Oktober 2008, Taunuszeitung
E Gans ohne Kopp is kaa ganz Gans!»
Der Schultheiß (Wolfgang Schmidt-Gauer) und die
Bäuerinnen (Annette Reinhard, Elvira Sittinger und Katharina Maurer) bei
der Abgabe des «Gänsezinses». Foto: Schneider
Kronberg. Die
Burg als Schulungsort für Mundart – authentischer als im rustikalen
Terracottasaal könnte Schule kaum sein. Dorthin hatte die 1. Kronberger
Laienspielschar jetzt zu einem Kurs in Sachen Dialektpflege eingeladen. Den
rund 50 Besuchern wurde von der Sing- und Spielgemeinschaft über eineinhalb
Stunden ein sehr kurzweiliges, stimmungs- und auch stilvolles Vergnügen
geboten, das sehr viel mit Heimat, Liebe und Heimatliebe zu tun hatte.
«Kronberg du mei’ alles», jener vom
unvergessenen Wilhelm «Dr. Bunso» Jung gefühlvoll getextete und von Wil-helm
Lantelme ins Ohr gehend komponierte Hymne mag sich niemand, der Kronberg
jemals von innen gesehen und erlebt hat, entziehen. Und selbst wenn man es
wollte, es ginge gar nicht. Gegen Heimatliebe ist eben doch kein Kraut
gewachsen. Seinen Spaß daran hätte gerade deshalb ganz sicher auch der in
diesem Jahr verstorbene ehemalige Spielleiter Hubert Käfer gehabt. Käfer,
oder besser «dem Hubbert», habe die Laienspielschar unendlich viel zu
verdanken, sagte die Vorsitzende der Spielschar, Petra Nauheim. Deshalb sei
dieser Mundartabend auch ihm gewidmet.
Es wurde viel gesungen beim 47.
Mundartabend seit 1969. Die auf den Stühlen ausgelegten Textausdrucke wurden
vom Publikum beim Mitsingen auch dankend genutzt. Wolfgang Schmidt-Gauer,
der neue Dirigent und künstlerische Leiter der Laienspielschar, hatte,
bisweilen selbst zur Klampfe greifend und seinen hörenswerten Tenor zur
Unterstützung des Klangkörpers einbringend, seinen Chor hervorragend
disponiert. Schmidt-Gauer wohnt übrigens auch in Kronberg, «in Kronberg 4,
Niederhöchstadt!», wie Petra Nauheim, verschmitzt anmerkte. Mit ihm habe man
einen sehr guten Griff getan. Mit vielen neuen Ideen trage er dazu bei, dass
sich die Sing- und Spielgruppe stimmlich weiterentwickele und es inzwischen
sogar mit gestandenen Männerchören, zuletzt in Guldental, aufnehmen könne.
Allerdings gibt es ein Problem: «Wir haben
selbst zu wenig Männer», wandte sich Petra Nauheim hilfesuchend ans
Publikum. Doch solange die Damen weitgehend unter sich bleiben, hilft die
Vorsitzende dem Schicksal schon einmal ein wenig nach, optisch jedenfalls,
denn zum Mundartabend hatte sie sich, den Dreispitz keck ins Genick
geschoben, als Kerl verkleidet.
Mundartlieder wechselten in munterer Folge
mit kleinen Spielhandlungen, Gedichtvorträgen oder Anekdoten. Man konnte
auch richtig etwas lernen. Zum Beispiel, was ein Nassauer ist. Petra
Nauheim, Birgit Ritschel und Annette Reinhard lüfteten auf der Bühne im
Terracottasaal das Geheimnis: Ein Nassauer ist ein Regenereignis von genau
definierter Dauer – exakt fünf Minuten. Sonst wäre es «en Schutt» oder «en
Schauer» oder «Getröppel». In jedem Fall aber ist der Nassauer nass, weshalb
Birgit Rischel im Sketch auch immer wieder jammerte. «Ei hädde mer doch en
Scherm debei!»
Lokalhistorisch wurde es dann beim
«Gänsezins». Der Schultheiß (gespielt von Wolfgang Schmidt-Gauer) erwies
sich bei der Eintreibung des Zinses als «hadde Knoche». Unerbittlich
forderte er von den drei Bauersfrauen (Annette Reinhard, Katharina Maurer
und Elvira Sittinger) den fälligen Naturalzins, den «Gänsezins», musste sich
am Ende der weiblichen Übermacht dann aber doch geschlagen geben und
erkennen, dass «de Kopp vom Gänsi als vertelst Gans aagerechent wern kann un
dass e Gans ohne Kopp kaa ganz Gans is».
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Juni 2008 - Kronberger Bote
Beim diesjährigen
Hessentag im nordhessischen Homberg/Effze vertraten die Mitglieder der 1.
Kronberger Laienspielschar, musikalisch unterstützt von Ihrem neuen
Chorleiter Wolfgang Schmitt-Gauer, erstmalig ihre Heimatstadt.
Gemeinsam mit der
Laternenkönigin aus Bad Homburg, der Kanoniergesellschaft Oberreifenberg,
den Marching Drummers Steinbach, der Festungsgarde Königstein und der
Stadt Oberursel - Hessentagsstadtt 2011 vervollständigten sie das Bild des
Hochtaunuskreises.
Bei strahlendem
Sonnenschein und angenehm gemäßigten Temperaturen reihten sich die 17
Damen und Herren in ihren nassausischen Trachten in den farbenfrohen, 11km
langen Hessentagszug ein. Die Zuschauer am Zugweg genossen den
mitgebrachten Äppelwoi aus Kronberger Bembeln, offensichtlich eine
begehrte, seltene Köstlichkeit in Oberhessen!
Immer wieder stimmten
sie begeistert in den Refrain der vorgetragenen Lieder mit ein. „Nur die
Hesse net vergesse, die sinn wunderbar …“ wurde zum Dauerbrennen des Tages
und mit Begeisterung, Geschunkel, Klatschen und Gelächter aufgenommen.
Hier und da wurden
spezielle Liedwünsche wie z.B. das „Hessenlied“ erfüllt und immer wieder
erklang das Loblied auf das Heimatstädchen im Taunus, das vom Taunus die
Kron ist … „Kronberg Du bist a mei alles …“
Als eine von 31
Trachtengruppen aus ganz Hessen wurde die 1. Kronberger Laienspielschar
von der Leitung des Hessentages eingeladen, sich und ihre Kronberger
Tracht im Umzug vorzustellen. Die Mitglieder nahmen diese Einladung gerne
an und verbrachten einen tollen – wenn auch anstrengenden Tag – in dem
oberhessischen Städtchen mit der schönen Altstadt. Ein wenig heiser nach 3
Stunden Umzug mit durchgehendem Gesang traf die Kronberger Abordnung am
Sonntag abend wieder in Kronberg ein – mit dem Vorhaben: „Hessentag 2009
Langenselbold, wir kommen!“

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März 2008 - 70 Bürger bewanderten bei Eiseskälte den
Altstadt-Laternenweg
Quelle hochtaunus.de
Kronberg (kb)
– Der unabhängige Bürgermeisterkandidat Klaus Temmen hatte zu einem Rundgang
über den Altstadt-Laternenweg eingeladen und rund 70 Bürgerinnen und Bürger
waren der Einladung trotz eisiger Kälte gefolgt.
Zu Beginn erläuterte Klaus Temmen die kurze Historie des Laternenweges. Die
Initiative hierzu sei vom Kronberger Kulturkreis und dem Aktionskreis
Lebenswerte Altstadt gekommen. Die Scherenschnitte wurden vom Künstler
Albert Vökl gestaltet und zeigen Motive aus der wechselvollen Geschichte
Kronbergs.
Der Laternenweg führt aktuell durch den Kern der Altstadt von Kronberg. „Das
Projekt ist aber auf mehrere Jahre hin angelegt und der Weg wird sicher noch
Erweiterungen erfahren. Einige hiervon sind schon in Arbeit“, erläuterte
Temmen und ergänzte, dass er sich auch in Schönberg und in Oberhöchstadt
Laternenwege vorstellen könne. „Auch diese beiden Stadtteile haben eine
wechselvolle und lange Geschichte, sodass dort an Motiven kein Mangel
herrschen dürfte.“
Anschließend begann unter der
Führung der Kronberger Laienspielschar mit ihrer Ersten Vorsitzenden Petra
Nauheim an der Spitze die Führung über den Weg. Die Laienspielschar
gestaltete die Führung als echte Erlebnisführung, indem sie die
Erläuterungen zu den Scherenschnittmotiven immer mit kleinen gespielten
Szenen ergänzte.
„Die Führungen über den Laternenweg sollen in Zukunft regelmäßig für
Besucher und Bürgerinnen und Bürger der Stadt durchgeführt werden. Besonders
junge Menschen und Neubürger unserer schönen Stadt haben hier die
Möglichkeit, etwas über die Geschichte Kronbergs zu erfahren.“