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PRESSESTIMMEN  

 

 

Gute Noten für die Orchester des Musikvereins beim Frühjahrskonzert

Es grünt so grün. Nicht nur die Blüten auf der sonnenreichen iberischen Halbinsel blühen zur Frühlingszeit. In der Stadthalle sprossen kaum weniger üppig und farbenprächtig die Melodien beim Frühjahrskonzert des Musikvereins.

Von Ulrich Boller

Kronberg. Das Ensemble des Musikvereins Kronberg begeisterte seine Zuhörer mit sanften Klängen in der Stadthalle.	Foto: Heiko Rhode

Die Ausschnitte aus Frederick Loewes Erfolgsmusical «My fair Lady» kamen zwar erst im zweiten Teil, dafür bewies das mit mehr als 40 Musikerinnen und Musikern aufspielende Traditionsensemble gleich zu Beginn sein hohes Können und seine Vielseitigkeit. Denn Giuseppe Verdis Musik zur Geschichte von der schwindsüchtigen Halbweltdame Violetta Valéry stellt keine geringen Ansprüche.

Der «klassische» Auftakt unter Leitung von Dirigent Jörg Senger gelang zum Wohlgefallen, die anschließende dreiteilige «Borromeo-Suite» führte in schillernden Klangfarben den Zauber der drei malerischen Inseln vor dem Südufer des Lago Maggiore vor. Ein gutes Zeugnis verdient die Nachwuchsarbeit des Musikvereins. Mit ebenfalls mehr als 40 Mitwirkenden im Alter zwischen 10 und 19 Jahren füllte das Jugendorchester den Bühnenraum. Für die gute Qualität zeichnet Orchesterleiter Senger gleichermaßen verantwortlich.

Stelldichein im Egerland
Ob Ausschnitte aus dem Musical «Tarzan», die quirlig-zauberhafte «Mary Poppins», die «mit ’nem Teelöffel Zucker» jede Medizin nimmt, oder die süffigen Abba-Melodien aus «Mamma Mia», das Spiel der jungen Instrumentalisten gefiel. Heiterkeit erntete Moderatorin Angelika Hartmann, als sie die «zweitjüngste Trompeterin» im jugendlichen Kreis vorstellte. Renate Temmen heißt sie, Ehefrau von Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos), der mit sichtlichem Vergnügen den Vorträgen folgte.

Zum «Stelldichein in Egerland und Oberkrain» lud der zweite Konzertteil ein. Schmissige Musik wie das «Trompetenecho» sowie Stücke von Ernst Mosch und Slavko Avsenik sorgten für fröhliche Stimmung. Etwas ernster wurde es dann bei Teilen aus Georges Bizets tragischer Oper «Carmen». Zum Orchester des Musikvereins gesellten sich die Sängerinnen und Sänger der 1. Kronberger Laienspielschar unter Leitung von Wolfgang Schmitt-Gauer, der selbst mitsang und als Gitarrist brillierte. Mit hörbarer Sanges- und Musizierfreude nahmen sich die Akteure auf der Bühne des ernsten wie des heiteren Spiels an.

Mitreißend gelangen die Lieder der Eliza Doolittle und des Professors Henry Higgins, die Melodien aus «My fair Lady» kamen frisch und munter aus den Kehlen und Schalltrichtern. Charme und Wohlklang besaßen aber auch die schwungvoll vorgetragenen Volkslieder von «Im Krug zum grünen Kranze» über das «Ännchen von Tharau» bis zum fröhlichen «Rennsteiglied».

Der musikalische Schwung hielt an bis zur letzten Note des zündenden «Jubiläumsmarschs», den Jörg Senger vor fünf Jahren zum Hundertjährigen des Musikvereins komponiert hatte.

Als neuer Vorsitzender stellte sich Christian Kraft vor. Er dankte besonders seinem Vorgänger Hans Hartmann, der über ein Vierteljahrhundert engagiert den Verein leitete und auch als Ehrenvorsitzender noch am Schlagzeug aktiv ist. Kraft wurde jüngst zu seinem Nachfolger gewählt.

 

Mit Frauenpower ins Festjahr

1. Kronberger Laienspielschar wählt neuen Vorstand und rüstet sich für die 50-Jahrfeier

Die Kronberger Laienspielschar bleibt fest in weiblicher Hand. Bei der Jahreshauptversammlung wurden ausschließlich Frauen in den Vorstand gewählt – und der blickt auf die Feiern zum 50-jährigen Vereinsbestehen.

Von Tina Tonsen

Kronberg. Der neu gewählte Vorstand der 1. Kronberger Laienspielschar (von links): Elvira Sittinger, Annette Reinhardt, Heike Limberger-Fuchs, Petra Nauheim und Birgit Ritschel.	Foto: Tonsen

 Die 1. Kronberger Laienspielschar hat eine Vorstandsmannschaft – obwohl man hier eher von einer Frauschaft reden könnte. Bei der Jahreshauptversammlung wurden ausschließlich Frauen in den neuen Vorstand gewählt. Und der besteht – bis auf eine Änderung – aus dem Team, das in der vergangenen Wahlzeit die Geschicke des Vereins leitete.

So führt die bisherige Vorsitzende Petra Nauheim auch weiterhin die Laienspielschar, die im vergangenen Jahr als Verein anerkannt wurde und damit die Gemeinnützigkeit erlangte. Ihre Stellvertreterin bleibt Birgit Ritschel. Elvira Sittinger wurde als Schriftführerin bestätigt. Die Kasse bleibt in den bewährten Händen von Heike Limberger-Fuchs. Neu ins Vorstandsteam wurde als Beisitzerin Annette Reinhardt gewählt, die für die Organisation der beliebten Laternenwegführungen verantwortlich zeichnet.

Eine launige Jahresrückschau in der von Vereinsringschef Hans-Willi Schmidt geleiteten Versammlung hielt Petra Nauheim. Mit Fotos von verschiedenen Veranstaltungen unterlegt, blickte sie auf das vergangene Jahr zurück. Neben einem großen Lob an die Mitstreiter – «Alles kann bei uns nur so gut funktionieren, weil ihr immer da seid!» – unterstrich Nauheim vor allem die «hervorragende» Zusammenarbeit mit anderen Kronberger Vereinen. «Das Motto ,Vereine für Vereine‘ wird in Kronberg wirklich gelebt. Dass alle Vereine sich so selbstverständlich untereinander helfen, finde ich total schön», freute sich die Vereinschefin.

Jeder Verein bringe sich bei den verschiedenen Veranstaltungen ins große Ganze ein – und bleibe dennoch ganz selbstständig. Das sei nicht selbstverständlich, meinte Nauheim und belegte diesen fruchtbaren Zusammenhalt mit der Nennung zahlreicher Events, bei denen man sich gegenseitig unterstützt hatte. Die gesangliche Beteiligung beim Festkommers und der großen Feier des MGV anlässlich seines 150-jährigen Bestehens oder der Kommers des EFC zu seiner 100-Jahr-Feier waren solche Beispiele.

Die Laienspielschar war aber auch beim Straßentheaterfestival «Da Capo» dabei und bereicherte die Jubiläumsfeier zum zehnjährigen Bestehen des Weinbergs im Rathausgarten. Für das Projekt, ein gemeinsamer Auftritt von der Laienspielschar, Männergesangverein und Musikverein beim Jubiläumskonzert des MGV am 20. Juni, sei viele Wochen geprobt worden. Mit dem MGV wurde «Hebt eure Herzen» von Mozart gesungen und bei «Conquest Of Paradise» von Vangelis wurde der Laienspielschar-Chor vom Orchester des Musikvereins begleitet. «Uns hat der gemeinsame Auftritt viel Freude gemacht und auch die Konzertbesucher spendeten viel Applaus», blickte Nauheim zufrieden zurück. Mit besonders stolzgeschwellter Brust nahm man am Thäler-Kerbeumzug teil, schließlich stammten, wie so oft, Miss Bembel und der Thäler Borjemaaster aus den Reihen der Laienspielschar.

Mundart kommt an
Mit einem Mundart-Laternenweg habe der Verein im vergangenen Jahr etwas Neues gewagt. Die beiden Nachtwächter zogen mit den Besuchern von der Receptur zur Linde in der Tanzhausstraße und warteten auf die «Ehefrau», die die Nachtwächter-Utensilien beibringen sollte. Dann ging es los durch die Kronberger Altstadt. In Mundart-Gebabbel erklärten die Nachtwächter einzelne Laternen-Scherenschnitte. An verschiedenen Stationen wurden Gedichte vorgetragen, der Chor sang und einige kleine gespielte Szenen ließen die alten Zeiten wieder lebendig werden. Abschluss war am Thäler Kerbebrunnen, wo der Chor die Kronberger «Kerbeliedcher» intonierte und die Besucher sich bei einem Äppelwoi das eine oder andere hessische Wort erklären ließen, das sie nicht verstanden hatten. «Unser Versuch, eine Laternenwegführung in Mundart zu gestalten, ist auf jeden Fall sehr gut angekommen und bekam viel Applaus», resümierte Petra Nauheim.

Die Führungen auf dem Laternenweg spülen Geld in die Kasse, wie Kassiererin Heike Limberger-Fuchs in ihrem Jahresbericht deutlich machte. Allein mit diesen insgesamt zehn Führungen flossen über 3000 Euro in die Vereinskasse, die insgesamt im Plus sei – auch wegen einiger Spenden.

Feier im August
Eine Zuwendung von der Dingeldein-Stiftung über 500 Euro sei bereits im laufenden Geschäftsjahr eingegangen – und das aus einem ganz besonderen Grund. Denn in diesem Jahr wird die 1. Kronberger Laienspielschar ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Am Sonntag, 28. August, ist in der Zehntscheune ein Jubiläums-Mundart-Frühschoppen geplant – mit Beteiligung zahlreicher befreundeter Vereine.

 

 
 

Taunuszeitung, 23.12.2010

Amüsant und gut gespielt


Kurzweilig und besinnlich gestaltete die 1. Kronberger Laienspielschar ihren zweiten vorweihnachtlichen Mundartabend. Als idealer Ort dafür erwiesen sich die Gewölbe und Kellerräume des Hellhofs.

Von Ulrich Boller

Etwas ganz Besonderes soll es sein an diesem Weihnachtsabend.

Eigens vom studentischen Weihnachtsmannverleih hat der Familienvater einen professionellen Darsteller engagiert, der die unfolgsamen Kinder Mores lehren soll. Mutti bereitet eifrig Schnittchen für die eingeladenen Gäste. Nur, wo bleibt der rotgewandete Geschenkebringer? Spätestens jetzt ahnt der geneigte Betrachter der familiären Szenerie, dass so einiges aus dem Ruder laufen wird. Endlich angekommen, hat der redselige Weihnachtsmann mehr Schnittchen und Whiskeyflasche im Blick als die Moral der Kinder. Aber die untergräbt er auch ganz schnell und die Autorität der Eltern gleich mit. Die haben schließlich die Hütte voll mit allerlei weihnachtlichem Personal, Nikolaus, Christkind und Knecht Ruprecht inklusive.

Käthe wird gefeiert
Amüsant und gut gespielt fügte sich die kleine Handlung in den zweiten vorweihnachtlichen Mundartabend der 1. Kronberger Laienspielschar. Als Ort hatte der Kronberger Traditionsverein den Hellhof gewählt, dessen neuer Eigentümer Dieter B. Schmidt gerne Gastrecht gewährte. Und für Kinder alkoholfrei, aber nicht minder köstlich. Damit ließ sich zugleich herzlich auf ein «Geburtstagskind» aus den Reihen der Laienspielschar anstoßen. Käthe Herrmann, engagiertes und dabei sichtlich jung gebliebenes Mitglied des Vereins, feierte just an diesem Sonntag ihren 80. Geburtstag. Die Überraschung für die gerührt-erfreute Jubilarin glückte, offenbar hatten alle Gratulanten bis zum letzten Moment stillgehalten.

Feldmanns Verse
In abwechslungsreicher Folge präsentierten die Akteure auf der Bühne im voll besetzten Gewölbekeller Mundartgedichte und Lieder weihnachtlichen Inhalts. Darunter «Weihnachtsgeschenke» aus der Feder von Kronbergs verstorbener Ehrenbürgerin Hanna Feldmann, die mit treffsicherer Ironie die jahreszeitliche Präsenteschlacht in mundartliche Verse fasste. Am Ende jedenfalls kriegt der Opa seine Cognac-Flasche wieder, die er jemand ganz anderem geschenkt hatte. Aber auch der «Christbaamkaaf» verfehlte seine Wirkung nicht. Weil der gläserne Baumständer vom zu dicken Stamm ruiniert ist, hängt die Edeltanne schließlich von der Decke: «Un trocken lässt die Mudder hern, jetzt kann mer besser drunner kehrn.»

 

 

Die 1. Kronberger Laienspielschar begeisterte ihr Publikum beim vorweihnachtlichen Mundartabend in den neu gestalteten Räumen der bekannten Kronberger Galerie Hellhof.	Foto: PriedemuthUnter Leitung Wolfgang Schmitt-Gauers boten die Vereinsmitglieder vorwiegend bekannte Weihnachtslieder wie «Tochter Zion», «Es ist für uns eine Zeit angekommen», «Fröhliche Weihnacht», «Leise rieselt der Schnee» sowie das «Kalenderlied» und Beethovens feierliche «Hymne an die Nacht». Der fiel gerade draußen in nicht geringer Menge vom Himmel, weniger zur Freude der motorisierten Zeitgenossen. Dafür umso mehr für all jene, die zu Fuß durch die in zauberhaftes Weiß gehüllten Gassen der Altstadt unterwegs waren und den Blick auf die verzauberte Landschaft genossen.

 

Mit den Schlussliedern «Stille Nacht» und O du fröhliche» stimmten die Laienspielschar klangvoll auf die Feiertage ein.

 

 

 

Kronberger Bote, KW 27 - Kerbeblättche!


Kronberg (pu) – Heute Abend ist es endlich soweit! Pünktlich um 19.30 Uhr wird der Cronberger Schützenverein von 1398 die geladene Haubitze zünden und mit dem ersten lauten Böllerschuss das Startsignal zum Beginn des größten Kronberger Volksfestes, der Thäler Kerb, geben. Wenig später wird
sich der Zug mit dem zu verabschiedenden Thäler Borjermaaster und seiner
Miss Bembel 2009, Stefan Mausolf und Birgit Ritschel, dem neuen Thäler Pärchen 2010 und den Kerbeburschen mit dem geschmückten Baum am Hembus Haus in der Königsteiner Straße in Bewegung setzen und ins Tal ziehen. „Drollo“ wird vom Fanfarenzug, der Rittergarde, den Keltergemeinschaften „Hessekittel“ und „Äppelschüttler“, der Kronberger Laienspielschar, den Schernbornschwalben vom Männergesangverein 1860, dem Musik-Verein Kronberg und der Cronberger Schützengesellschaft von 1398 zu seinem Standort geleitet.
Am Haaseberg werden die Kerbeburschen den Baum aufstellen und „Drollo“ in luftiger Höhe platzieren. Das neue Thäler Pärchen wird danach die Regentschaft über das Tal übernehmen und das Volksfest offiziell eröffnen. Bei Pflastertanz, Weck, Worscht und Woi wird anschließend bis Mitternacht gefeiert. Und damit beim Tanzen auch beide Hände frei sind, gibt es wieder die beliebten salzglasierten Becher zum Umhängen.
Um den Müllberg so gering wie möglich zu halten, werden die Besucher gebeten, ihre in früheren Jahren gekauften Trinkbecher zum Fest mitzubringen. Am Freitag geht es mit dem traditionellen Frühschoppen, dem Seniorennachmittag und ab 20 Uhr wieder mit Tanz weiter. An beiden Abenden wird die Hausband „Die Colibris“ für die musikalische Stimmung sorgen, zum Frühschoppen und beim Seniorennachmittag spielt der Musik-Verein Kronberg.


Mit Erscheinen dieser Ausgabe wird auch das Geheimnis gelüftet, für welches Pärchen sich die Findungskommission in diesem Jahr entschieden hat und wer sich folglich in der letzten Donnerstags-Ausgabe hinter den Bembeln versteckte. Die Regentschaft über das „Thal“ werden heute Abend zwei Mitglieder eines schon seit Jahren unzertrennlichen „Dreigestirns“ übernehmen:
Karin Lukas und Paul Jochmann.
Die 40-jährige Karin Lukas, eine geborene Ludewig, hat in Frankfurt das Licht der Welt erblickt. Im zarten Alter von drei Jahren hat sie zwar mit Sicherheit noch keinen Gedanken daran verschwendet, welcher der anderen Dreikäsehochs im Kindergarten St. Peter und Paul sich als künftiger Thäler Borjermaaster oder späterer Ehemann eignen könnte, als Spielkameraden sammelten offenbar die Jungs Paul Jochmann und Franz Lukas die meisten Pluspunkte. Dieses „Dreigestirn“ war auch später unzertrennlich. Gemeinsam besuchten sie anschließend zunächst die Grundschule Kronberg, später hieß das Ziel Altkönigschule. Die gemeinsame Leidenschaft für Musik führte schließlich zum Musikverein-Kronberg. Als bekannt wurde, dort soll ein Jugendorchester gegründet werden, war völlig klar „Da simmer dabei!“ Karin und Paul entschieden sich jeweils Klarinetten als Instrument zu spielen, Franz nahm eines der „Flügelhörner“. Zusätzlich verstärkten die Drei das Orchester der AKS. Gemeinsam ging man durch dick und dünn; irgendwann wurde aus Karin und Franz ein Paar. Es folgte die Hochzeit im Jahr 2000, ganz klar, natürlich mit Paul als Trauzeugen. Sohn Friedrich vervollständigt das Familienglück in der Unteren Höllgasse. Beruflich ist die Textilbetriebswirtin bei Jack Wolfskin in Idstein im Einkauf tätig.

 In ihrer Freizeit gehört ihr Herz neben dem Musikverein auch der 1. Kronberger Laienspielschar. Regelmäßigen Besuchern der Thäler Kerb wird  uffallen, nach Simone Gottschalk (2006), Petra Nauheim (2007) und Birgit Ritschel
(2009) ist Karin Lukas bereits die Vierte, die innerhalb von vier Jahren aus diesem munteren Mundart-Grüppchen kommt. Bei Insidern hält sich deshalb jetzt hartnäckig das Gerücht, die Laienspielschar werde in Kürze eine verstärkte Mitglieder-Werbeaktion gestartet, damit der „Miss Bembel-Nachwuchs“ weiter gesichert ist.

„Was machst du eigentlich im richtigen Leben, Paul?“ Diese Frage zu nächtlicher Stunde eines nicht mehr wirklich nüchternen Festbesuchers erscheint bei näherer Betrachtung durchaus berechtigt denn wann auch immer ein größeres Freiluft- Fest in Kronberg stattfindet, ist der Familienclan Jochmann für gewöhnlich dabei. Für die Metzgerei ist gerade auch im Sommer Hochsaison und damit auch für den Grillstand in der Tanzhausstraße, an dem Paul am Wochenende Worscht und Schwenksteaks im Akkord zubereitet.  Deshalb schöpfte am Samstag vor der Kerb auch niemand ernsthaft Verdacht, als Paul am frühen Morgen begann, Tische und Bänke auf dem Tanzhaus aufzubauen. „Das macht der ja jedes Wochenende, der scheidet also aus dem Kreis der potenziellen ‚Borjermaaster- Kandidaten‘ aus“, musste Bernd Girold, Erster Vorsitzender des Thäler Kerbevereins (TKV) seinen Irrtum schmunzelnd eingestehen, nachdem er eines besseren belehrt worden war, weil die Fahne des Thäler Bürgermeisters eben doch seit Samstag in der Tanzhausstraße aufgestellt ist. Um auf die Frage zurück zu kommen, was der waschechte Kronberger Bub im richtigen Leben macht; nach seinem Realschulabschluss folgte eine Lehre als Elektroanlageninstallateur und Energieanlagenelektronik. Doch das war dem Mann, der kürzlich seinen 40. Geburtstag gefeiert hat, nicht genug. Er setzte das Fachabitur drauf und studierte danach an der Fachhochschule in Darmstadt Elektrotechnik-Automatisierungstechnik und schloss als Diplom-Ingenieur ab. Seit 30 Jahren verbringt er seine Freizeit ebenso wie Karin beim Musik-Verein Konberg, auch bei der Freiwilligen Feuerwehr engagiert sich der gewählte Zugführer in starkem Maße. Ein wenig gekickt hat er früher, mittlerweile setzt er sich wann immer sich Gelegenheit dazu bietet, aufs Mountainbike und das durchaus ambitioniert. Seit drei Jahren fährt er – übrigens gemeinsam mit Michael Nauheim, dem Mann der Miss Bembel von 2007, und Franz Lukas – bei der Österreichischen „Salzkammergut-Trophy“ mit.

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Taunuszeitung, KW 27

Jetzt regieren die Sandkastenfreunde

Thäler Kerb wird heute eröffnet – Karin Lukas und Paul Jochmann sind Miss Bembel und Borjemaaster

Von Tina Tonsen

Ganz Kronberg steht Kopf! Die Party des Jahres wird gefeiert: die Thäler Kerb. Mit dem Kerbezug durch die Altstadt ins «Thal» wird das zweitägige Volksfest heute Abend eröffnet. Mittendrin Karin Lukas und Paul Jochmann, die neuen Regenten, das Thäler Pärchen 2010!

Kronberg. Jedes Jahr gibt es in Kronberg ein best gehütetes Geheimnis: Wer wird wohl dieses Mal das Thäler Pärchen? Jetzt ist es offiziell, denn die Fahne des Thäler Bürgermeisters («Borjemaaster») hängt in der Tanzhausstraße bei Paul Jochmann und die Flagge der «Miss Bembel» weht vor dem Haus von Karin Lukas in der Unteren Höllgasse.

Die Zeit der Geheimniskrämerei fanden die beiden spannend und manchmal mussten sie aufpassen, dass sie sich nicht durch ein wissendes Grinsen verraten. Nämlich immer dann, wenn im Freundeskreis gerätselt wurde, wer wohl das neue Thäler Pärchen sei. Begonnen hat das Abenteuer in diesem Jahr allerdings etwas anders.

Normalerweise besucht das Findungskomitee die Auserwählten zu Hause, um sie zu fragen, ob sie die Ämter übernehmen «Aber als Conny Temmen, Reni Temmen und Simone Hotter dieses Jahr gemeinsam loszogen, bestand die Gefahr, dass sie dabei beobachtet werden könnten und die Nachbarn dann ihre Rückschlüsse ziehen. «Denn wir beide kommen ja aus der Altstadt – und die hat bekanntlich überall Augen», weiß Karin Lukas. Und so ging Reni Temmen – vor exakt zehn Jahren selbst «Miss Bembel» dieses Mal besonders raffiniert vor. Ganz unschuldig lud sie ihre Freundin Karin ein, mal bei ihr zu Hause vorbei zukommen, sie wolle ihr ein paar neue Klamotten zeigen. Das war nichts Ungewöhnliches und passiert unter Freundinnen halt immer wieder mal.

So dachte sich die 40-jährige Textilbetriebswirtin auch überhaupt nichts dabei, als sie eines Abends bei Reni in der Tanzhausstraße vorbei kam, wie so oft. «Nach einer halben Stunde rückte Reni dann mit dem eigentlichen Grund heraus – und da war ich doch ziemlich überrascht», berichtet die Mutter eines zehnjährigen Sohnes. Obwohl sie eigentlich nicht so gerne im Vordergrund steht, sagte sie sofort zu. Karin Lukas: «Die ,Miss Bembel‘ lehnt man nicht ab, das ist doch klar!»

 

Viele Gemeinsamkeiten

Und ihr war sofort klar, dass der «Borjemaaster» nur ihr alter Kumpel und Sandkastenfreund Paul Jochmann sein konnte. Der gleichaltrige Elektrotechnik-Ingenieur hatte fast die gleiche Szene einen Tag vorher erlebt. Auch er wurde von Reni Temmen eingeladen, doch mal vorbei zu kommen. «Zwar haben wir schon damit gerechnet, irgendwann mal gefragt zu werden – aber auf keinem Fall in diesem Jahr, denn wir sind sehr eng mit dem Vorgänger-Pärchen Birgit Ritschel und Stefan Mausolf befreundet und dachten deshalb, dass dieses Mal andere an der Reihe sind», erzählt der neue «Borjemaaster».

Die beiden Ur-Kronberger sind seit ihrer Kindheit eng miteinander befreundet. Schon in den Kindergarten sind sie gemeinsam gegangen und auch in der Grundschule waren sie in einer Klasse, gemeinsam besuchten sie dann die Altkönigschule, bevor sie ihre Ausbildungen begannen.
 

Als klar war, dass sie das neue Thäler Pärchen sind, musste einiges an Vorbereitungen getroffen und dennoch die Geheimhaltung gewahrt werden. Gar keine so leichte Aufgabe. Karins Mann Franz wurde eingeweiht («Er hat nur gelacht und sich für mich gefreut.»), Söhnchen Friedrich allerdings nicht. Aber die Eltern, die im gleichen Haus leben, mussten informiert werden, sonst wären sie nämlich zur Kerb mit ihrem Enkel verreist gewesen.

Etwas schwieriger gestaltete sich das bei Paul Jochmann, denn bei ihm sollte zum Fahnenstellen gefeiert werden und da musste die Bewirtung der vielen Gäste gesichert sein. Logisch, dass die Kronberger Traditions-Metzgerei Jochmann, die vom Vater und Bruder direkt gegenüber geführt wird, diese Aufgabe übernehmen sollte. Um die kulinarische Versorgung sicher zu stellen, sprang in konspirativer Art und Weise Conny Temmen ein, die einfach bei Mutter Jochmann ein entsprechendes Büfett «für sich» bestellte, es solle dann auch von ihr abgeholt werden. Wurde es auch – und direkt zu Paul Sohn auf die andere Straßenseite gebracht. Ein gelungener Coup!

 

Thron statt Klarinette

 

Dann war nur noch die Sache mit dem Musik-Verein zu klären, dem Paul Jochmann und Karin Lukas beide schon seit vielen Jahren angehören und der bei der Thäler Kerb auf dem Balkon in der «Staagass» aufspielt. Karin bedient dort die Klarinette und das Alt-Saxofon, Paul ebenfalls Klarinette und das Tenor-Saxofon. Beide sollten sich, wie alle Musiker in jedem Jahr, in eine Liste für die Teilnahme an der Kerb eintragen. Karin konnte sich herausreden und sagte, dass sie nicht wisse, ob sie in diesen Tagen Urlaub bekommt. Paul trug sich ein, «sonst wäre das aufgefallen», meint er. Nun muss der Musik-Verein auf die beiden verzichten, wenngleich sie auch nur einen knappen Meter von dem Orchester entfernt «thronen» werden.

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Taunuszeitung, KW 14, 2010

Das nächtliche Glanzlicht

Führungen auf dem Laternenweg sind der Renner bei der Laienspielschar

Ein Laternenweg in Kronberg – für was braucht man so etwas? Die Frage hatten doch einige Skeptiker gestellt, als das Projekt vor drei Jahren intensiv diskutiert wurde. Die passende Antwort bekamen die Zweifler spätestens jetzt bei der Mitgliederversammlung der Laienspielschar.

Kronberg. Gerade einmal zwei Jahre ist es her, dass Petra Nauheim im Ornat des Kronberger Nachtwächters die ersten interessierten Zuhörer über den Laternenweg geführt hat. Von einigen Zeitgenossen damals sanft belächelt, sind es heute die Vorsitzende der 1. Kronberger Laienspielschar und ihre Mitglieder, die gut Lachen haben. Ihre Hoffnungen, die sie mit den Führungen vorbei an den mit Scherenschnitten verzierten Laternen und durch die abendliche Altstadt verknüpft haben, sind mehr als erfüllt worden.
«Wir haben über Berg und Tal geführt», betonte die Vereinschefin jetzt bei der Hauptversammlung der Laienschauspieler, «und seit der Erstbegehung über 1000 Besucher auf den Weg gebracht».

10 öffentliche und 11 private Führungen, davon eine Führung in englischer Sprache, haben die Mitglieder der Laienspielschar allein im Jahr 2009 bestritten und vor den Augen der Besucher in szenischen Darstellungen und mit Hilfe der Scherenschnitte die Kronberger Geschichte wieder lebendig werden lassen. Damit ist der Kronberger Laternenweg zum echten «Kassenschlager» avanciert. Denn ein Großteil der Einnahmen des rührigen Vereins kommt, nach dem Bericht von Kassiererin Heike Fuchs-Limberger aus diesem Projekt.

Ausbau denkbar
Mittlerweile, so die Vorsitzende, zieren gut 50 Scherenschnitte aus der Hand des Künstlers Albert Völkl die Kronberger Laternen. Jeder Schnitt für sich ist ein Kleinod, verpasst der Burgstadt wenn es Nacht wird, sein ganz besonderes Glanzlicht. Kein Wunder, dass sich der Vorstand derzeit über einen Ausbau beziehungsweise die Erweiterung von Routen über den Laternenweg Gedanken macht, wie Petra Nauheimer berichtete. Ihr Dank galt am Abend der Mitgliederversammlung im «Posthaus» allen Beteiligten: «Selbst wenn es an der einen oder anderen Stelle nur zu fünf Minuteneinsätzen kam, war das doch eine große Hilfe für uns. Jeder hat den Weg mit seinem Beitrag lebendig werden lassen.»

Ähnlich positiv wie die Zahl der Besucher entwickelt sich auch der Mitgliederbestand. Derzeit gehören 58 Männer und Frauen der Laienspielschar an. Aus haftungsrechtlichen Gründen, so die Vereinsvorsitzende, habe man sich im vergangenen Jahr entschlossen, den Verein in das Vereinsregister eintragen zu lassen. Die hierfür notwendige Satzungsänderung wurde bei der Versammlung einstimmig von den Mitgliedern beschlossen. «Im nächsten Jahr stehen die Vorstandswahlen an. Wir werden den Vorstand dann um einen Beisitzer erweitern», kündigte Petra Nauheim schon einmal an.

So groß der Stellenwert des Laternenweges auch mittlerweile im Vereinsleben ist, bleibt im Verein doch noch ausreichend Zeit, das kulturelle Leben der Stadt auch auf andere Art zu bereichern. «Dass wir mittlerweile auch wieder aus dem Stegreif singen können, haben wir der Tatsache zu verdanken, dass wir wieder einen Dirigenten an unserer Seite haben, der eben mal die Gitarre auspackt und einfach loslegt», erzählte die Vorsitzende amüsiert. «Sie sind für uns eine echte Bereicherung», fiel das Lob Nauheims an die Adresse von Wolfgang Schmitt-Gauer entsprechend vollmundig aus.

Der so Gelobte gab die Blumen allerdings auch gerne zurück. Ihm sei die 1. Kronberger Laienspielschar «während der bisherigen Zusammenarbeit auch sehr ans Herz gewachsen», betonte Schmitt-Gauer und setzte gleich noch einen Vorschlag hinzu: «Ich bin dafür, noch öffentlicher zu werden. Sie sollten ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen. Sie sind ein wichtiger Beitrag zur Kronberger Kultur.»

Die Entwicklung der Laienspielschar sei enorm, betonte Schmitt-Gauer. Um den musikalischen Bereich noch weiter auszubauen, startete sogleich einen Aufruf. «Wer singen kann, ist jederzeit willkommen. Wir suchen Männerstimmen und Frauenstimmen. Ein Mitmachen lohnt sich allein wegen des Spaßes. Wir haben auch viel Geduld», betonte er amüsiert. juba

Für 2010 haben sich die Hobby-Akteure wieder einiges vorgenommen.

 

 

02.01.2010 TZ Lokales

Mein 2010 Hört ihr Leut...

Was sich ein Nachtwächter wünscht, wenn er des Nachts durch die Gassen streift?

tzr_nauheim003a_311209_1Dass auch weiterhin unser «Hört Ihr Leut und lasst euch sagen…» niemanden um den Schlaf bringt und dass auch Bläser, Trommler und staunende Menschen keinen in seiner abendlichen Ruhe stören. So wie bisher. . .Danke! Und dass die Menschen auch tagsüber erkennen, in was für einer wunderbaren Stadt sie leben. Nachts wird Vergangenes vielleicht beleuchtet, aber tagsüber erzählen Häuser, Winkel, Gassen und alte Kronberger die Geschichten einer Stadt.

Man muss nur die Augen öffnen. . .

 

22.12.2009 TZ Lokales Kronberg

Weihnachten auf Hessisch

Mit alter Tracht und neuen Stücken: Die Laienspielschar warf einen hessischen Blick auf das Christfest.	Foto: Schü Mit alter Tracht und neuen Stücken: Die Laienspielschar warf einen hessischen Blick auf das Christfest. Foto: Schü

Kronberg. «Da sinn doch besser feste Schuh, da wern die Fieß net nass, net jeder, der im Matsch rumbatscht, der hat dadran aach Spass», hatte Kronbergs unvergessene Ehrenbürgerin Hanna Feldmann einst zur Winterszeit gereimt.

Am Sonntagabend konnte man sich indes vom Wahrheitsgehalt dieser Verse überzeugen, denn der Weg zum gut besuchten Recepturkeller führte bei drastischen Minustemperaturen durch eben jene glitschige Masse, die als Schnee für ein reizvolles vorweihnachtliches Ambiente in der Burgstadt sorgte.

Derweil bot die 1. Kronberger Laienspielschar im heimeligen steinernen Gewölbe Lieder wie «Psallite», «Kommet, ihr Hirten» oder das altfranzösische «Engel haben Himmelsieder» sowie Mundartliches zum bevorstehenden Christfest.

Wolfgang Schmitt-Gauer hatte die Gesangsstücke einstudiert und begleitete das ein oder andere auf der Gitarre. Von der «Schlemmerei uff’m Weihnachtsmarkt» war außerdem die Rede, vom «Dannebaam», der fleißig nadelt, und einem «Weihnachtswunner», das einem Stadtstreicher widerfährt.

Sehr zum Amüsement der Anwesenden bot der Nachwuchs einen «Weihnachts-RAP» auf «Ihr Kinderlein kommet». Etwas weniger festlich, dafür aber charmant pointiert «Der Schwips», in dem ein Vater seinem Sohn erklärt: «En Schips, des iss, wenn de da am Tisch statt dene zwaa Leut vier sitze siehst.» Und der Sohn treuherzig antwortet: «Abber da sitzt doch nur aaner!» Über die «Öko-Weihnacht» und die obligate «Weihnachtsgans» ging es im zweiten Teil zu den unverzichtbaren Liedern «Stille Nacht» und «Oh du fröhliche», mit denen das Programm offiziell schloß

 

Mundartmatinee in Kiedrich, Rheingau - 2. August 2009

18. Hedwig-Witte-Mundartmatinee mit Akteuren von beiden Seiten des Rhein
Von Manfred Hambrecht

Ulrike Neradt fühlte sich zwischen den zwei "großen" Bürgermeistern" Winfried Steinmacher und Manfred Kohl sichtlich wohl.

Kiedrich. (mh) – Obwohl es in den frühen Morgenstunden noch gewittert hatte, waren die Freunde der Mundart in rekordverdächtiger Zahl zur 18. Hedwig-Witte-Mundartmatinee zum Scharfenstein gekommen. Dabei ließen sie sich weder vom Bauzaun noch den Containern im Zusammenhang mit der Sanierung des Scharfensteins stören, sondern erfreuten sich an den köstlichen Mundartdarbietungen.

Auch für die diesjährige Matinee hatte die vor jugendlicher Frische sprühende Ulrike Neradt und ihr kreatives Team ein über dreistündiges, aus Vorträgen, Gedichten, Geschichten und Liedern prall gefülltes Programm erstellt, das sich nicht nur als sehr abwechslungsreich, sondern auch als höchst unterhaltsam erwies. Dabei hatten die Akteure von "beiden Seiten des Rheins" einmal mehr kostenlos ihr Bestes gegeben und den Applaus gerne als Lohn angenommen.

Die aufwendigen Renovierungsarbeiten an der noch eingerüsteten Burg Scharfenstein stehen, wie "Hausherr" Steinmacher sagte und auch alle sehen konnten, kurz vor dem Ende. Nach derzeitigen Kenntnissen werden sie Mitte Oktober fertiggestellt sein. Die Gesamtkosten belaufen sich auf cirka. 360.000 Euro. Er sei dem Land Hessen für die finanzielle Beteiligung mit einer Summe von 170.000 Euro sehr dankbar. Dankbar sei er auch den Kulturzeugen Kiedrich und der Initiative "Rettet den Scharfenstein" für die Herausgabe des von Werner Kremer entworfenen Kiedricher Kalenders, von dessen Verkaufspreis von vier Euro cirka drei Euro der Renovierung zufließen.

Um auch in der jüngeren Generation für den Erhalt der Mundart zu werben, hatte Ulrike Neradt mit Elena Jakob die Matinee mit Mundartgedichten aus der Feder von Hedwig Witte eröffnet. Das Nachwuchstalent gehört den "Rheingauer Schlappmäulcher" an.

"Auch Bürgermeister sind Künstler" hatte Neradt den mittlerweile zum festen Bestandteil der Mundartmatinee gewordenen Auftritt von Winfried Steinmacher und seines Kollegen Manfred Kohl als Walluf angekündigt. Dabei hatte sie die Lacher nicht nur mit ihren Erzählungen über die "Barbierer" auf ihre Seite gezogen, sondern auch am Beispiel des für 1.000 Mark gekauften, aber dennoch nichtsnutzenden Gauls das Wort "Ergebenheit" mit einem einzigen Satz erklärt: "Er geb en heit for Hunnert her", habe der Bauer gesagt.

Mit Herbert Völkner, "unser’m Mann aus Nackenheim", so Ulrike Neradt, stand an diesem Vormittag ein dort bekannter Heimatdichter auf der kleinen Bühne, der humorvoll verpackt viel über die Lebensart der Menschen auf "der ebsch-Seit" zu berichten wußte. Und der die überraschten Zuhörer mit seinem "Rheinhessischen Hügelland-Jodler" hellauf begeisterte.

"Weil ich hier den Uffmacher mache solle, hab’ ich mich aus dem Bett gemacht, mir ein schöne Kaffee gemacht und mich auf den Schaffestoo gemacht", beschrieb Herbert Michel in imposanten Wortspielen den "Rheingauer als Macher". Nachdem er auch erläutert hatte, daß ein Schuhmacher "Schuh macht" und ein Hausmacher "Worscht macht", war ihm beim "Steinmacher" jedoch keine passende Antwort eingefallen. Ein "Schuft", wer dabei an Kiedricher Wein dachte.

Wie die Menschen in Koblenz "schwätze", erzählten die in der heimischen Fastnachtsszene bekannten "Kobbelenzer Altstadtpänz" in ihren musikalischen Darbietungen zum Schunkeln und Mitsingen. Dabei war ihren Zuhörern schnell klar geworden, daß Lachen und das Verbreiten von Frohsinn ihr Metier ist und für Trübsinn kein Platz ist. "Wir können die Menschen nicht versteh’n, die zum Lache in den Keller geh’n", warben sie für mehr Optimismus im Alltag.

Nachdem Paul Dries die Bühne betreten hatte, wußte Neradt, daß der minutiös festgelegte Zeitplan ohne ihre gestrengen Blicke auf die Uhr aus dem Ruder zu laufen droht. Bestens aufgelegt spielte der Harley-Davidson-Fan mit dem Buchstaben "w" und faßte ihn zu sinnvollen Sätzen zusammen und sang über den Regenwurm, der ganz besonders traurig ist, wenn die Sonne scheint. Als er schließlich seine Version vom "puddelnackisch" auf einem Felsen hoch über den Rhein sitzenden "Lorche" mit schlimmen Folgen "für mein alde VW" zum Besten gibt, geriet das Publikum schier aus dem Häuschen. Worauf sich Ulrike Neradt umgehend mit der sächsischen Version der Loreley revanchiert und dafür ebenso begeistert gefeiert wurde.

"Was reinläuft, muß auch wieder rauslaufen", hat Karl Hornberger, Mundartautor "Hombes" aus Bad Kreuznach, anschließend sofort die Lacher mit der genauen Schilderung seiner Erlebnisse im Pinkolatorium mit Spiegel im Pflälzer Wald auf seiner Seite, ehe die "Nassauische Bänkelsänger" aus Bechtheim das Publikum mit ihren Liedern über die "Marina, die beste Kuhl im ganze Stall" und die "Hühnerstraße", bei ihnen "Chicken Highway", genannt zum Mitsingen animieren.

"Er schwebt jetzt auf Wolke sieben und hört uns sicher zu", erinnerte Markus Molitor sehr zur Freude von Akteuren und Zuhörern an Walter Müller und seine Mundartgeschichten. Dabei ließ Molitor den "Eltviller Frühmessner" wieder auferstehen, erzählte von der nicht ganz reibungslos verlaufenden Beerdigung der Anna und berichtete vom Mann, der statt zur Post in die "Post" gegangen ist und beim Sturz aus der Gastwirtschaft "außer sechs Halbe un en Spundekäs" sich zu Glück nichts gebrochen hat.

Als spannend und erfrischend erwies sich das mit einer überraschenden Pointe endende Märchen "De Winzer im Himmel", das Monika Albert und Gisbert Kessler vortrugen. Darin hatte der liebe Gott den "armen" Winzer umgehend aus dem Himmel geworfen, nachdem er selbstherrlich seinen Kollegen mit dem "goldische" Hocker vom Chef beworfen hatte.

Um Wein ging es auch in den Gedichten und Liedern, die Horst Bischel aus Gau-Algesheim bei seinem ersten Auftritt im Rahmen der Mundartmatinee gemeinsam mit Völkner präsentierte. "Ich brauch’ en Wein für meine Schnut, der auch nach Wein schmecke dut", persiflierte er das übertriebene Getue um Geschmacks- und Geruchsempfindungen des Rebensaftes. Dann erzählte Alfons Molitor in Gau-Algesheimer Mundart, wie sich ein Handkäs und ein Rollmops unterhalten: "Und wenn sie nicht gegessen sind, dann erzählen sie heute noch".

Eine gelungene Premiere feierte auch die in historische Tracht gekleidete Heimat- und Brauchtumsgruppe aus Kronberg mit Liedern über die Kerb und die Hessen, bei denen das Publikum mit einstimmte. Höhepunkt war jedoch ihr Sketch: "Wenn 100 reden, kann man den 101. nicht mehr hören".

Immer wieder gerne gesehen und vor allem gehört wird der Eltviller Mundartautor Karl Heinz Wahl, der alles auswendig "aus dem hohlen Kopf" heraus erzählte. Auch darüber, daß ihm noch heute der Schreck in den Knochen sitzt, "daß ich mein Pilzgericht bereits vor dem Essen bezahlen mußte". Seinem Freund Kevin habe er das "Anti-Aggressionstraining von Knigge" empfohlen, nachdem dieser sein Auto in der Garage gegen die Wand gedonnert hatte. Und als Wahl mit biererster Mine berichtete, daß Eltviller Passanten den aus dem Fenster gestreckte Hintern mit "Guten Tag, Herr Bossong" begrüßt hatten, kannte die Begeisterung der Zuhörer keine Grenzen mehr.

"An meinem Grinsen können Sie sehen, daß ich mehr als glücklich bin", hatte Ulrike Neradt, Erste Vorsitzende der Rheingauer Mundartvereins, noch lange Zeit nach dem von Monika Albert in wohlgesetzten Versen gesetzten Spendenaufruf für den Scharfenstein die Summe der Spenden geheim gehalten und erst am Ende der Mundartmatinee Bürgermeister Winfried Steinmacher 1.576 Euro überreicht, der sich für die spontane Aktion bedankte. Bisher seien rund 27.000 Euro auf dem Spendenkonto "Sanierung der Burg Scharfenstein" eingegangen. Weitere Spenden seien willkommen.

 

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Kronberger Zeitung, KW 26 2009

Taunuszeitung, 26. Juni 2009

Zu einem interaktiven Erlebnis wurde der 48. Mundartabend der Kronberger Laienspielschar, der unter dem Motto «Es riecht nach Kerb, die Keste bliehe…» kürzlich im Terracotta-Saal auf der Burg für ein volles Haus sorgte.
Unter der souveränen Leitung von Wolfgang Schmitt-Gauer zeigte die gemischte Gruppe einerseits ihr großes gesangliches Vermögen und andererseits die schauspielerischen Talente zahlreicher Mitglieder.

Die vielen Besucher – der Terracotta-Saal war voll besetzt – hatten an diesem Abend sichtlich und hörbar Spaß, gerade auch deswegen, weil sie nicht nur passiv bestens unterhalten wurden, sondern ab und zu auch mal selbst mit ran mussten. Schon bei der Kronberg-Hymne, «Kronberg, du bist ja mei alles» wurde seitens des Chores zum Mitsingen aufgefordert, was sich die gut gelaunten Anwesenden nicht zwei Mal sagen ließen.

Perfekt vorbereitet hatte die Laienspielschar dazu Liederhefte ausgelegt, die mit Noten und Texten dem Publikum Hilfestellungen gaben. Einen großen Coup landete die Laienspielschar mit dem Stück «Schwätze mehr als 110». Hier sollte mit dem Publikum ein achtstimmiger Kanon gesungen werden – und das gelang wunderbar. Wer von außen zuhörte, musste den Eindruck gewinnen, als ob hier ein fulminanter Chor auftritt.
Dazu stellten sich die Mitglieder der Laienspielschar auf beiden Seiten jeweils zu zweit oder zu dritt direkt neben die Stuhlreihen und gaben auf Anweisung des Chorleiters für «ihre» Gäste jeweils die Einsätze. Eine Aufführung, wie man sie in Kronberg bislang wohl vergebens suchte.

Neben den musikalischen Beiträgen wurden von anderen Mitgliedern der lustigen Truppe kurze und vor allem humorvolle Gedichte vorgetragen – natürlich in echt Kronberger Mundart. Diese sorgten für viele Lacher – vielleicht sogar für den ein oder anderen Muskelkater im Bauch am nächsten Tag.

Ob beim Sketch am Tisch, als Chor oder Animateur-Gruppe: Die Kronberger Laienspielschar begeisterte ihr Publikum.

 

 

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Taunuszeitung, 15. Mai 2009

Die 1. Kronberger Laienspielschar hat ihr Publikum mit auf eine Märchenreise durch die Stadt genommen. Zunächst das  Kronberger Märchen «Die Höhle im Altkönig», dann ein Rundgang auf dem Märchenpfad durch die Altstadt.

Kronberg. An einem sonnigen Septembertag soll sich die Geschichte zugetragen haben, als das Mädchen Malchen, das vor langer Zeit mit seiner Mutter in Kronberg lebte, durch den bösen Waldgeist in die Höhle des Altkönig gelockt wurde. Sieben Jahre musste sie dort verbringen und ihre Mutter viele Prüfungen bestehen, damit Malchen wieder freikam. Dabei waren die Tiere des Waldes, die weise Frau und der Schäfer behilflich. Für die Treue und Liebe schenkte der Altkönig dem Malchen einen Karfunkelstein, der es beschützen sollte und Edelsteine, Gold und Silber, damit Malchen und ihre Mutter gut leben konnten.

Gespannt lauschten Erwachsene und Kinder der Lesung von Elvira Sittinger. Die Kronbergerin nahm ihre Zuhörer mit auf eine geheimnisvolle Reise rund um den Altkönig. Viel gab es zu erfahren. Zum Beispiel soll es im Taunus den Butznickel gegeben haben. Einen Waldschrat, der mit dem Altkönig kooperiert hat, und eine weise Eule und einen Fuchs, die sich nicht leiden konnten. Die weise Frau lebte auf einer Mauer an der Hohemark und kehrte dort Tau und Nebel ins Tal. Auch Brunhilde aus der Nibelungensage kam in dem Märchen vor. Auch die sieben Brüder, die heute noch in Gestalt von Bäumen am Fuße des Altkönig stehen sollen.

Die Vorlage des Märchens von Wilhelm Jung hat Annette Reinhardt von der 1. Kronberger Laienspielschar umgeschrieben, bis sie auf das von Albert Völkl entwickelte Tisch-Schattentheater passte. Elvira Sittinger las als «Märchentante» im Schaukelstuhl die Geschichte anschaulich vor. Die Figuren hinter der «Schattenkulisse» bewegten Birgit Ritschel und Petra Nauheim. Wolfgang Schmidt-Gauer untermalte das Märchen musikalisch.

Damit das Märchen von der Höhle im Altkönig weiterlebt, erzählen neun Laternen auf einem «Schlenker» des Kronberger Laternenwegs die Geschichte. Der Kronberger Märchenpfad wurde im Anschluss an die Lesung in der Zehntscheune beschritten. In der Eichenstraße lebte die Geschichte nochmals auf eine ganz andere Art und Weise auf. Hier gab Annette Reinhardt einige Anekdoten zum Besten. Etwa die vom Flintendreher. Der soll oft betrunken gewesen sein und soll alles geschossen haben, was sich im Wald bewegte. Am Eichentor endete die Führung. Damit alle Kinder «gut beschützt» nach Hause gehen konnten, durften sie sich aus einem Korb einen «Edelstein» mit auf den Heimweg nehmen.

 

 

Wertvolles Engagement für das Gemeinwohl

Taunuszeitung, 10.03.2009
Ehrenamtliche Tätigkeit ist alles andere als eine abstrakte Größe. Sie manifestiert sich im konkreten Handeln von Menschen für Menschen. Johanna Dietz und Käthe Herrmann, zwei Kronbergerinnen, die sich seit Jahrzehnten auf vielfältige Weise ehrenamtlich engagieren, erhielten am Sonntagabend im voll besetzten großen Saal der Stadthalle dafür eine besondere Auszeichnung: den Kronberger Frauenpreis. Kronbergs Stadtverordnetenvorsteherin Blanka Haselmann (CDU) und die ehrenamtliche Stadträtin Hilke Amthor (SPD) überreichten die zum 17. mal nach 1993 vergebene Plakette einschließlich der Ehrenurkunde.

Die diesjährigen Preisträgerinnen «lenken unsere Aufmerksamkeit auch auf die Schattenseiten unserer Gesellschaft, auf die Menschen, die Hilfe benötigen», hatte Professorin Wilma Aden-Grossmann, die Vorsitzende der Arbeitgemeinschaft Kronberger Frauenverbände, formuliert. Zu den «tragenden Kräften» des «Kronberg Treffs für Seniorinnen und Senioren» gehört, wie es in der Laudatio hieß, Käthe Herrmann. Drei Mal in der Woche betreut sie diese Einrichtung mit. Darüber hinaus engagierte sie sich jahrzehntelang in der 1. Kronberger Laienspielschar, der katholischen Frauengemeinschaft und dem Partnerschaftsverein Kronberg-Le Lavandou.

Mit Fug und Recht lässt sich ihr Einsatz mit dem Wort «unermüdlich» charakterisieren. Ein Zitat der verstorbenen Kronberger Ehrenbürgerin Hanna Feldmann drückte das aus: «Liebe Käthe, es war dir niemals etwas zuviel.»

 

 

Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 28.12.2008

Fröhliche Winzer und jammernde Gefangene

Geschichte als Scherenschnitt: In Kronberg zeigen die Laternen Episoden aus d...

Geschichte als Scherenschnitt:
In Kronberg zeigen die Laternen Episoden aus der Historie der Stadt.

26. Dezember 2008 Gewöhnlich dienen Laternen dazu, den Weg zu erhellen. Doch Besucher der Kronberger Altstadt sollten den Blick nicht nur auf das Pflaster vor ihren Füßen, sondern gelegentlich auch nach oben zur Lichtquelle richten. Dort entdecken sie streitende Ritter, eine Kaisergattin, Musiker oder murmelspielende Kinder. Szenen aus der Kronberger Geschichte und dem heutigen Leben der Stadt zieren als Scherenschnitte das Laternenglas.

47 Motive hat der in Trendelburg lebende Künstler Albert Völkl inzwischen geschaffen. Die schönste Art, sie kennenzulernen, ist eine Führung der 1. Kronberger Laienspielschar wie zuletzt Ende November. Morgen steht die nächste auf dem Programm.

 

Bis zu 120 Besucher pro Führung
„Hört ihr Leut‘ und lasst euch sagen“, klingt es von fern, als sich der Nachtwächter durch die Dunkelheit nähert. Etwa 35 Menschen haben sich am Treffpunkt, dem Recepturhof, versammelt. Obwohl die Nacht kalt ist, Schneetreiben einsetzt und es nicht die erste derartige Führung ist. Bis zu 120 Teilnehmer hat die Laienspielschar schon an einem Abend gezählt. Als der Nachtwächter angekommen ist, entpuppt er sich als zwei Nachtwächterinnen: Petra Nauheim, Vorsitzende der Laienspielschar, und Annette Reinhardt haben sich das schwarze Cape übergeworfen, den passenden Hut dazu aufgesetzt und tragbare Lichter in die Hand genommen.

Schon an den Laternen rund um die Receptur haben sie allerhand zu zeigen: Eine Cellistin als Hinweis auf die Kronberg Academy, ein Hochzeitspaar wegen des Standesamts und das Wappen des Mainzer Erzbischofs Lothar von Schönborn, der 1720 die sogenannte Westerburg der Kronberger Ritter durch ein Kellereigebäude ergänzen ließ, um dort Abgaben zu erheben.

Rebstöcke im Rathausgarten
Dann zieht der Tross weiter zum gegenüberliegenden Gasthaus Adler, und schon wird deutlich, warum gerade die Laienspielschar die Führungen entlang des Laternenwegs übernommen hat. Im Wirtshauseingang, hinter dem heute eine Pizzeria betrieben wird, steht Walter Wegefahrt in weißem Kittel und rotem Künstlerbarett. In der Hand einen Pinsel und vor sich eine Staffelei erinnert er daran, dass der „Adler“ einst ein beliebter Treffpunkt der Malerkolonie war.

Ein Stück weiter steht unvermittelt ein Mann in Winzerschürze auf der Bruchsteinmauer und dirigiert eine kleine Sängerschar, die ein Lied über den Wein singt. Der Scherenschnitt an der Laterne deutet an, dass auch in Kronberg Rebstöcke im Rathausgarten wachsen, weil die Stadt mit Guldental an der Nahe eine innige Beziehung unterhält.

Streit um katholische Kirche
Von der fröhlichen Weinseligkeit geht es durch das inzwischen dichte Schneetreiben weiter zu einer traurigen Gestalt, die in Ketten hinter Gittern sitzt. Denn, so zeigen Laienspieler als auch Scherenschnitt, war der Burckhartsturm einst das Gefängnis. Am Fritz-Best-Platz erzählt Nachwächterin Nauheim nicht nur etwas über den Bildhauer und Maler als aktuellen Namensgeber, sondern auch, dass hier früher die Kinder mit Murmeln gespielt haben. Alte Kronberger sprechen daher immer noch vom „Klicker-Plätzi“. Zurück an der Schirn, zeigen Seiltänzer auf dem Laternenglas und Bauersfrauen, dass sich hier der alte Marktplatz befand.

Die Abbildung streitender Pfarrer erläutert an der nahen Streitkirche, woher das Bauwerk seinen Namen hat: Kurmainz wollte 1737 ein repräsentatives katholisches Gotteshaus im evangelischen Kronberg durchsetzen, noch dazu direkt neben der Johanniskirche. Das ließen sich die Protestanten nicht bieten, und sie trugen den Streit bis vor den Regensburger Reichstag. Der gab ihnen recht, und auf einem weiteren Laternenglas ist zu sehen, wie 1756 der Turmreiter abgebrochen wurde, weil die Kirche nicht als solche diente.

Fotografierende Tauben
Nauheim und Reinhardt haben noch mehr Kronberger Geschichten zu berichten, etwa die vom Apotheker Julius Neubronner und seinen fotografierenden Brieftauben: Eine von ihm konstruierte Minikamera mit Selbstauslöser band er den Vögeln um. Sie lieferte 1904 so gute Luftaufnahmen, dass sich das Militär dafür interessierte. Am Eichentor, dem letzten erhaltenen Stadttor Kronbergs, wartet ein Wächter in Uniform auf die Gruppe.

Jetzt geht es eine steile Treppe hinab zur Steinstraße, und am Schauplatz der Thäler Kerb, unter den von einer Laterne herableuchtenden Augen des Thäler Bürgermeisters, endet die Führung, die nur für einen Teil der Motive gereicht hat.

Scherenschnitte an Laternen
An der Entstehung des Laternenwegs waren viele beteiligt, vor allem der Altstadtkreis. Die Idee dazu hatte Dorothée Arden vom Kronberger Kulturkreis aus Heppenheim mitgebracht. In dem Ort an der Bergstraße hatte Völkl schon zum Hessentag 2004 die Straßenbeleuchtung entlang der alten Gassen mit Scherenschnitten gestaltet. 150 gibt es dort, und auch sie werden bei Dunkelheit mit Führungen den Besuchern nahegebracht.

Arden trat mit dem Künstler in Kontakt, und der ließ sich von den Kronberger Sagen, Geschichten und Begebenheiten schnell inspirieren. Im Frühjahr dieses Jahres konnte dann die erste Führung organisiert werden. Im nächsten Frühjahr wird der Weg um einen „Märchenpfad“ genannten Schlenker erweitert. Völkl baut außerdem ein tragbares Schattentheater, um mit diesem Bauchladen-Theater die Geschichte von der „Höhle im Altkönig“ zu erzählen. Sie soll am 10. Mai 2009, dem Tag der Literatur, öffentlich vorgeführt werden.

Termine der Laternenführungen und weitere Informationen finden sich unter www.kronberger-kulturkreis.de im Internet.


Text: F.A.Z. Von Bernhard Biener
Bildmaterial: Dieter Rüchel


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Oktober 2008, Taunuszeitung

E Gans ohne Kopp is kaa ganz Gans!»

Der Schultheiß (Wolfgang Schmidt-Gauer) und die Bäuerinnen (Annette Reinhard, Elvira Sittinger und Katharina Maurer) bei der Abgabe des „Gänsezinses“. Foto: Schneider Der Schultheiß (Wolfgang Schmidt-Gauer) und die Bäuerinnen (Annette Reinhard, Elvira Sittinger und Katharina Maurer) bei der Abgabe des «Gänsezinses». Foto: Schneider

Kronberg. Die Burg als Schulungsort für Mundart – authentischer als im rustikalen Terracottasaal könnte Schule kaum sein. Dorthin hatte die 1. Kronberger Laienspielschar jetzt zu einem Kurs in Sachen Dialektpflege eingeladen. Den rund 50 Besuchern wurde von der Sing- und Spielgemeinschaft über eineinhalb Stunden ein sehr kurzweiliges, stimmungs- und auch stilvolles Vergnügen geboten, das sehr viel mit Heimat, Liebe und Heimatliebe zu tun hatte.

«Kronberg du mei’ alles», jener vom unvergessenen Wilhelm «Dr. Bunso» Jung gefühlvoll getextete und von Wil-helm Lantelme ins Ohr gehend komponierte Hymne mag sich niemand, der Kronberg jemals von innen gesehen und erlebt hat, entziehen. Und selbst wenn man es wollte, es ginge gar nicht. Gegen Heimatliebe ist eben doch kein Kraut gewachsen. Seinen Spaß daran hätte gerade deshalb ganz sicher auch der in diesem Jahr verstorbene ehemalige Spielleiter Hubert Käfer gehabt. Käfer, oder besser «dem Hubbert», habe die Laienspielschar unendlich viel zu verdanken, sagte die Vorsitzende der Spielschar, Petra Nauheim. Deshalb sei dieser Mundartabend auch ihm gewidmet.

Es wurde viel gesungen beim 47. Mundartabend seit 1969. Die auf den Stühlen ausgelegten Textausdrucke wurden vom Publikum beim Mitsingen auch dankend genutzt. Wolfgang Schmidt-Gauer, der neue Dirigent und künstlerische Leiter der Laienspielschar, hatte, bisweilen selbst zur Klampfe greifend und seinen hörenswerten Tenor zur Unterstützung des Klangkörpers einbringend, seinen Chor hervorragend disponiert. Schmidt-Gauer wohnt übrigens auch in Kronberg, «in Kronberg 4, Niederhöchstadt!», wie Petra Nauheim, verschmitzt anmerkte. Mit ihm habe man einen sehr guten Griff getan. Mit vielen neuen Ideen trage er dazu bei, dass sich die Sing- und Spielgruppe stimmlich weiterentwickele und es inzwischen sogar mit gestandenen Männerchören, zuletzt in Guldental, aufnehmen könne.

Allerdings gibt es ein Problem: «Wir haben selbst zu wenig Männer», wandte sich Petra Nauheim hilfesuchend ans Publikum. Doch solange die Damen weitgehend unter sich bleiben, hilft die Vorsitzende dem Schicksal schon einmal ein wenig nach, optisch jedenfalls, denn zum Mundartabend hatte sie sich, den Dreispitz keck ins Genick geschoben, als Kerl verkleidet.

Mundartlieder wechselten in munterer Folge mit kleinen Spielhandlungen, Gedichtvorträgen oder Anekdoten. Man konnte auch richtig etwas lernen. Zum Beispiel, was ein Nassauer ist. Petra Nauheim, Birgit Ritschel und Annette Reinhard lüfteten auf der Bühne im Terracottasaal das Geheimnis: Ein Nassauer ist ein Regenereignis von genau definierter Dauer – exakt fünf Minuten. Sonst wäre es «en Schutt» oder «en Schauer» oder «Getröppel». In jedem Fall aber ist der Nassauer nass, weshalb Birgit Rischel im Sketch auch immer wieder jammerte. «Ei hädde mer doch en Scherm debei!»

Lokalhistorisch wurde es dann beim «Gänsezins». Der Schultheiß (gespielt von Wolfgang Schmidt-Gauer) erwies sich bei der Eintreibung des Zinses als «hadde Knoche». Unerbittlich forderte er von den drei Bauersfrauen (Annette Reinhard, Katharina Maurer und Elvira Sittinger) den fälligen Naturalzins, den «Gänsezins», musste sich am Ende der weiblichen Übermacht dann aber doch geschlagen geben und erkennen, dass «de Kopp vom Gänsi als vertelst Gans aagerechent wern kann un dass e Gans ohne Kopp kaa ganz Gans is».

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Juni 2008 - Kronberger Bote

Beim diesjährigen Hessentag im nordhessischen Homberg/Effze vertraten die Mitglieder der 1. Kronberger Laienspielschar, musikalisch unterstützt von Ihrem neuen Chorleiter Wolfgang Schmitt-Gauer, erstmalig ihre Heimatstadt.

 

Gemeinsam mit der Laternenkönigin aus Bad Homburg, der Kanoniergesellschaft Oberreifenberg, den Marching Drummers Steinbach, der Festungsgarde Königstein und der Stadt Oberursel - Hessentagsstadtt 2011 vervollständigten sie das Bild des Hochtaunuskreises.

 

Bei strahlendem Sonnenschein und angenehm gemäßigten Temperaturen reihten sich die 17 Damen und Herren in ihren nassausischen Trachten in den farbenfrohen, 11km langen Hessentagszug ein. Die Zuschauer am Zugweg genossen den mitgebrachten Äppelwoi aus Kronberger Bembeln, offensichtlich eine begehrte, seltene Köstlichkeit in Oberhessen!

Immer wieder stimmten sie begeistert in den Refrain der vorgetragenen Lieder mit ein. „Nur die Hesse net vergesse, die sinn wunderbar …“ wurde zum Dauerbrennen des Tages und mit Begeisterung, Geschunkel, Klatschen und Gelächter aufgenommen.

 

Hier und da wurden spezielle Liedwünsche wie z.B. das „Hessenlied“ erfüllt und immer wieder erklang das Loblied auf das Heimatstädchen im Taunus, das vom Taunus die Kron ist … „Kronberg Du bist a mei alles …“

 

Als eine von 31 Trachtengruppen aus ganz Hessen wurde die 1. Kronberger Laienspielschar von der Leitung des Hessentages eingeladen, sich und ihre Kronberger Tracht im Umzug vorzustellen. Die Mitglieder nahmen diese Einladung gerne an und verbrachten einen tollen – wenn auch anstrengenden Tag – in dem oberhessischen Städtchen mit der schönen Altstadt. Ein wenig heiser nach 3 Stunden Umzug mit durchgehendem Gesang traf die Kronberger Abordnung am Sonntag abend wieder in Kronberg ein – mit dem Vorhaben: „Hessentag 2009 Langenselbold, wir kommen!“

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März 2008 - 70 Bürger bewanderten bei Eiseskälte den Altstadt-Laternenweg

Quelle hochtaunus.de

Kronberg (kb) – Der unabhängige Bürgermeisterkandidat Klaus Temmen hatte zu einem Rundgang über den Altstadt-Laternenweg eingeladen und rund 70 Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung trotz eisiger Kälte gefolgt.
Zu Beginn erläuterte Klaus Temmen die kurze Historie des Laternenweges. Die Initiative hierzu sei vom Kronberger Kulturkreis und dem Aktionskreis Lebenswerte Altstadt gekommen. Die Scherenschnitte wurden vom Künstler Albert Vökl gestaltet und zeigen Motive aus der wechselvollen Geschichte Kronbergs.
Der Laternenweg führt aktuell durch den Kern der Altstadt von Kronberg. „Das Projekt ist aber auf mehrere Jahre hin angelegt und der Weg wird sicher noch Erweiterungen erfahren. Einige hiervon sind schon in Arbeit“, erläuterte Temmen und ergänzte, dass er sich auch in Schönberg und in Oberhöchstadt Laternenwege vorstellen könne. „Auch diese beiden Stadtteile haben eine wechselvolle und lange Geschichte, sodass dort an Motiven kein Mangel herrschen dürfte.“


Anschließend begann unter der Führung der Kronberger Laienspielschar mit ihrer Ersten Vorsitzenden Petra Nauheim an der Spitze die Führung über den Weg. Die Laienspielschar gestaltete die Führung als echte Erlebnisführung, indem sie die Erläuterungen zu den Scherenschnittmotiven immer mit kleinen gespielten Szenen ergänzte.
„Die Führungen über den Laternenweg sollen in Zukunft regelmäßig für Besucher und Bürgerinnen und Bürger der Stadt durchgeführt werden. Besonders junge Menschen und Neubürger unserer schönen Stadt haben hier die Möglichkeit, etwas über die Geschichte Kronbergs zu erfahren.“