unser Muddersprach

 

Home
Nassauer
Wörterkunde

 

 

 Wir suchen SIE!Theoretisches & Informatives
 rund um unseren Dialekt

Mittelhessisch bzw. Oberhessisch (von vielen Sprechern als „platt“ bezeichnet) wird in einem Gebiet gesprochen, das im Süden und Westen etwa von den Orten Limburg an der Lahn, Bad Vilbel und Taunusstein begrenzt wird, im Norden bis in das Wittgensteiner und Frankenberger Land und im Osten bis an die Grenzen im Osthessischen vor Fulda heranreicht. Im südlichen mittelhessischen Sprachraum wird der Dialekt durch die städtischen Mundarten des Rhein-Main-Gebiets jedoch umgeformt - und verdrängt.

In der Provinz Hessen-Nassau wurden 1912 bis 1934 nach dem Hessen-Nassauischen Wörterbuch folgende Dialekte gesprochen:

Die der ehemaligen hessen-darmstädtischen Provinz Oberhessen, des Fürstentums (später Freistaats) Waldeck, des rheinischen Kreises Wetzlar und des westfälischen Kreises Wittgenstein. Sprachgeographisch gesehen werden die Dialektlandschaften des Nieder-, Mittel- und Osthessischen sowie Randbereiche des Westfälischen, des Ostfälischen, des Thüringischen, Ostfränkischen, Rheinfränkischen und Moselfränkischen bearbeitet

Das Hessen-Nassauische Wörterbuch erfasst die Dialekte der ehemaligen preußischen Provinz Hessen-Nassau, der hessen-darmstädtischen Provinz Oberhessen, des Fürstentums (später Freistaats) Waldeck, des rheinischen Kreises Wetzlar und des westfälischen Kreises Wittgenstein. Sprachgeographisch gesehen werden die Dialektlandschaften des Nieder-, Mittel- und Osthessischen sowie Randbereiche des Westfälischen, des Ostfälischen, des Thüringischen, Ostfränkischen, Rheinfränkischen und Moselfränkischen bearbeitet. Erfasst wurde der mundartliche Wortschatz dieser Gebiete, wie er im Erhebungszeitraum 1912 bis 1934 gebräuchlich war.

Die 1927 begonnene Publikation, das "Hessen-Nassauische Volkswörterbuch", ist streng alphabetisch nach standardsprachlichen oder "verstandardsprachlichten" Lemmata (mit Querverweisen von mundartnahen Stichwörtern) geordnet und erfasst den mundartlichen Wortschatz im Gesamtumfang, nicht nur die Idiotismen. Es wählt aus dem Gesamtmaterial des als Zettelarchiv existierenden Hessen-Nassauischen Wörterbuchs diejenigen Belege aus, die für den Zeitraum von etwa der Jahrhundertwende bis zum Abschluss der Erhebungen 1934 als verbürgt gelten. Urkundliches und älteres Material wird nur dann herangezogen, wenn es zur Aufhellung sachlicher oder grammatischer Sachverhalte beitragen kann, später eingegangene Belege werden nur berücksichtigt, wenn sie auch für den Geltungszeitraum nachgewiesen werden können. Das "Hessen-Nassauische Volkswörterbuch" ist somit mehr als alle anderen Dialektwörterbücher ein synchrones Wörterbuch der Dialekte zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein ursprünglich als Ergänzung geplantes "Historisches Wörterbuch von Hessen und Nassau" aus den urkundlichen Materialien konnte bisher nicht in Angriff genommen werden.

 

Aufgrund der Dominanz dieses Wirtschaftsraumes ist in den 1950er und 1960er Jahren der Eindruck entstanden, das Frankfurterische sei das Hessische allgemein. Zudem trugen populäre Unterhaltungssendungen wie die Hesselbachs oder der Blaue Bock wie nicht zuletzt die Übertragungen der Mainzer Fastnacht "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" zu dieser Fehleinschätzung bei. Diese mediale Darstellung - in der Kritik als „Fernsehhessisch“ bezeichnete populäre Sprachkultur - hat mit den unterschiedlichen hessischen Dialekten wenig gemein.

Die mittelhessischen Dialekte in ihren jeweiligen ortsgebundenen Lautgestalten und Prägungen (Topolekte) wurden bis vor etwa 50 Jahren vom überwiegenden Teil der ländlichen Bevölkerung gesprochen. Der Einfluss der modernen Massenmedien, heute der Sprache des Internets, wie auch die sich seit der späteren 1960er Jahren entwickelnde Mobilität und der historischen Veränderungen der Lebens- und Arbeitswirklichkeiten führten dazu, dass diese Dialekte immer weniger gesprochen werden, weil diese sprachgeschichtlich ihren aktuellen Verkehrswert verloren haben.

Die alten Formen der mittelhessischen wie oberhessischen Dialekte werden heute meist nur noch von Angehörigen der älteren, ortsgebundenen Generationen gesprochen oder in der Traditionspflege heimischen Brauchtums beibehalten. Im November 1984 ergab eine Umfrage („Hessischer Dialektzensus“) der „Arbeitsstelle Sprache in Hessen“ der Universität Marburg folgendes Bild: In der mittelhessischen Region gaben von den 48 bis 75-jährigen Befragten 62% an, dass sie „einen oder mehrere Dialekte sprechen“, unter den 31 bis 47-jährigen 65%, bei den 16 bis 30-jährigen aber nur noch 52%. Da gerade im Verlauf der letzten drei Jahrzehnte das Hochdeutsche in allen Lebensbereichen massiv an Einfluss gewonnen hat, muss man konstatieren, dass die empirischen Befunde des sogenannten Dialektzensus als überholt angesehen werden müssen.

Am Südrand des mittelhessischen Sprachgebietes, beispielsweise in der südlichen Wetterau und in den mittelhessischen städtischen Zentren Wetzlar, Gießen und Marburg, Friedberg und Bad Nauheim sind diese Dialekte bereits verschwunden bzw. im Verschwinden begriffen. An ihrer Stelle haben sich in städtischen Räumen neue Formen des Sprachgebrauchs herausgebildet, die in der modernen Dialektologie als „Neuhessisch“ bezeichnet werden und der Standardsprache nahestehen, wenn auch in eigenständigen, sprachgeschichtlich verwobenen Lautformen.

Von einem Aussterben der mittelhessischen Dialekte kann, entgegen allen Prognosen, zwar nicht gesprochen werden, wohl aber von einer Hinwendung zu regionalen Ausgleichsformen im öffentlichen Leben, zu neuen dialektalen Sprachformen mit dem Phänomen, dass die originären Dialektsprecher sich je nach Kommunikationserfordernis längst zwei- oder dreisprachig bewegen und ausgebildet sind im Sinne eines s.g. Code-Switching, wenn auch mit denselben Zungenschlägen (Bilinguismus).

Es ist auch keinesfalls so, dass die Jüngeren den Dialekt ablehnen. Lediglich werden Dialekte mit kleinräumiger Geltung aufgegeben zugunsten von neu entstehenden allgemeineren Sprachformen (Regiolekt), die eine größere kommunikative Reichweite haben. Sie verzichten dabei auf dialektale Formen, von denen sie wissen , dass sie schon wenige Kilometer weiter nicht oder kaum verstanden werden. Das ist u.a. auch eine Folge der zunehmenden Mobilität durch Beruf und Freizeit.

Eine weitere Sprache Mittelhessens ist das fast ausgestorbene Manisch, das früher im Raum Marburg (Richtsberg und Waldtal), Gießen (Gummiinsel) und Wetzlar (Finsterloh) von sogenannten sozialen Randgruppen benutzt wurde.